National Bird

(USA 2016, Regie: Sonia Kennebeck) (Berlinale Special)

von Clara Lohss

„It could be a kid.“ Die Ahnungslosigkeit der „Piloten“, die in der Hierarchie ihres Jobs aufsteigen, je mehr Menschen sie töten, macht fassungslos. Sie sitzen nicht in einem Cockpit, sondern vor Bildschirmen und entscheiden per Mausklick über Leben und Tod. Die Zielpersonen können weder eindeutig als Männer, Frauen oder Kinder identifiziert werden, noch können sie irgendetwas tun, um sich zu schützen. Aber sie wissen um die Gefahr, die in der Höhe lauert.

Es sind nur die Kommentare der „Piloten“ zu hören, zu sehen ist das Schwarz-Weiß-Bild der Drohnenkamera, die ihr Zielvisier aus einiger Entfernung auf die Personen unter sich gerichtet hat. Dann die erste Explosion. Die „Piloten“ unterhalten sich weiter, als befänden sie sich in einem Computerspiel.

Die drei ehemaligen Analysten dagegen, die in National Bird ihr Gesicht zeigen, sind sich ihrer schrecklichen Verantwortung bewusst. Wegen extremer psychischer Belastung sind sie aus dem Drohnenprogramm der US Air Force ausgestiegen. Die Dokumentation von Sonia Kennebeck über den US-amerikanischen Drohneneinsatz in Afghanistan zeigt auf der einen Seite die durchaus schwierige Lage der Analysten und auf der anderen Seite die menschenunwürdige Situation afghanischer Opferfamilien. Eine Mutter betrauert ihre Kinder, viele Jungen und Familienväter sind inzwischen Krüppel. „Wir wollen nur, dass es aufhört“, sagt einer von ihnen. „Manchmal bin ich so unendlich traurig, es fühlt sich an, als würde mein Herz explodieren.“

Die Aussteiger der US Air Force haben Stillschweigen über das Drohnenprogramm zu wahren. Nathan bekommt eine Gefängnisandrohung und steht unter der Beobachtung des FBI. Heather leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Mehrere ihrer Freunde, die ebenfalls bei der Air Force arbeiteten, haben sich das Leben genommen. Und Lisa reist aus Schuldgefühl nach Afghanistan, um zu helfen.

Der Film ist emotional. Rein rational ließe sich über das Thema sicherlich kaum berichten. Er ist ein Appell an die Menschlichkeit und eröffnet den Blick auf das Ausmaß des Drohneneinsatzes, der Afghanen in eine Opferrolle bringt – und die US Air Force als terroristischen Verband darstellt.

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