Mzis qalaqi (City of the Sun)

Der Titel: City of the Sun wirkt zunächst wie reine Ironie. Der Himmel über der von Regisseur Rati Oneli portraitierten georgischen Stadt ist von Wolken bedeckt und die architektonische Kulisse ist geprägt von zerfallenen Industrieruinen. Die Blüte von einst, die vor allem durch die reichhaltigen Mangan Verkommen hervorgerufen wurde, ist einer andauernden grauen Depression gewichen. In Mzis qalaqi begleiten wir einzelne der wenigen Verbliebenen der Stadt, denen gemein ist, dass sie einerseits mit der gegenwärtigen Trostlosigkeit zu kämpfen haben, jedoch andererseits ihrer innersten Leidenschaft nachgehen.So arbeitet Archil tagsüber unter Tage, um abends seiner eigentlichen Berufung – dem Theater – nachzugehen. Zurab muss neben seiner Arbeit als Musiklehrer zusätzlich alte Betonbauten abtragen und zwei Mädchen trainieren unaufhaltsam für die olympischen Spiele, obwohl ihnen selbst das Geld für tägliche Mahlzeiten fehlt. Dem Film gelingt es, keine voyeuristische Perspektive auf die Armut der dort lebenden Menschen einzunehmen, die lediglich eine monetäre Dimension hat. Vielmehr unterstreicht er ihren Reichtum an Traditionsbewusstsein und Zusammenhalt, was in Kontrast zu der zerfallenen Kulisse gesetzt wird. Die Kameraarbeit spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle, da stets mit diesen Gegensätzen auch ästhetisch gespielt wird. In einer Plansequenz begleiten wir Archil von seiner Minenarbeit bis ins Theater. Durch den runtergekommenen Saal, über die Bühne, bis in die Schauspielerumkleide, wo die Kamera kurz auf dem vergitterten Fenster verharrt, durch welches jedoch nur die nackte Felswand zu sehen ist, um schnell wieder auf Archil zu schwenken, der sich für eine Aufführung vorbereitet. Es sind glückserfüllte Momente, auf die sich Rati Oneli in seiner dokumentarischen Arbeit konzentriert, anstatt lediglich den durch die Vergangenheit bedingten Pessimismus zu unterstreichen.

Sektion: Forum
Mzis qalaqi
GEO, USA, QAT, NLD 2017
Regisseur: Rati Oneli
Kamera: Arseni Kulumbegashvili
Bevorstehende Screenings am 13.02., 14.02. und 18.02.

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