Mo Jing (Berlinale)

Sektion: Panorama / Regie: Dante Lam / Hongkong/China 2014 / 112′

20143897_2_IMG_FIX_700x700Es hätte mir eigentlich schon eiskalt den Rücken herunterlaufen müssen, als Dante Lam sein neues Werk als „etwas anderes“ relativ zu seinem Œuvre anpries. Denn „anders“ heißt in diesem Fall „total daneben“, eine wirre Genre-Mixtur, in der nicht viel vom Action-Expertentum des chinesischen Regisseurs zu spüren war. Das ist schade, denn immerhin verdanken wir ihm Haudraufbretter wie Beast Stalker und Fire of Conscience. Die Enttäuschung sitzt insbesondere dann tief, wenn man sich einen digital aufgepeppten Heroic-Bloodshed-Streifen im Stil eines Hard Boiled erhofft (ich weiß, meine Schuld, dass ich so hohe Erwartungen hatte), jedoch in einem Film landet, der nicht nur spannungsarm und unbeholfen erzählt ist, sondern sich auch formal als eine mittlere Katastrophe erweist. Vor allem die arhythmischen Schnitte und die unkonzentrierte Kameraführung lassen so ziemlich jede Actionszene im Keim ersticken. Sie ist einfach nicht gelungen, die für das Genre so wichtige symphonische Einheit aus Schuss und anschießendem Körper- oder Karosserie-Treffer, weshalb man sich als Zuschauer im Verhältnis zum Kamerablick hintergangen fühlt. Und leider weiß auch ausgerechnet Hauptcharakter Dave nicht so wirklich in seiner Rolle als psychisch angeknackster Polizist zu gefallen. Dadurch fehlt es dem Film an einer überzeugenden Identifikationsfigur, die in einem Actionthriller durchaus wichtig ist. Und der Rest? Über ein Mittelmaß kommt keine Sekunde des Films hinaus.

Dabei gab sich Lam alle Mühe, die zertrümmerte Innenwelt des vermeintlichen good cops so aufregend wie nur möglich zu visualisieren: Computeranimierte Feuersbrünste und Bildeinfärbungen sind zwar schön bunt anzusehen und bringen die Leinwand zum Leuchten. Jedoch wurden diese Elemente der Hyperinszenierung über weite Strecken ziemlich unglücklich, weil farblich übersteuert, ins Bild gesetzt und schaffen eine Distanz zum Film, ähnlich, wie sie Dave zu einem brutalen Bandenboss anstrebt, dem er zuvor unwissentlich das Leben rettete. In der anschließenden Jagd nach dem Gesindel und dessen Kopf bekommt man dann letztendlich genau das nicht geboten, was man sich zumindest von einer Wassermelone keineswegs wünscht: ein kerniges Vergnügen.

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