Memphis

Memphis, der zweite Spielfilm des amerikanischen Independent-Regisseurs Tim Sutton, gehört zu den drei Low-Budget-Produktionen, die im letzten Jahr durch das Projekt Biennale College Cinema gefördert wurden und nun ihre Premiere bei der Biennale 2013 feiern.

Memphis

Der Film begleitet einen jungen, aufsteigenden Soulsänger (überzeugend gespielt von Musiker/Künstler Willis Earl Beal), der erste Erfolge feiern konnte, nun aber nachlegen muss. Eine neue Platte soll aufgenommen werden, neue Songs müssen her und doch wird man ihn nur selten im Studio sehen. Stattdessen streift er durch die Gegend, durch Bars und schließlich durch die Natur, in einer spirituellen Suche nach sich selbst. So vage die Handlung klingt, so interessant sind die Bilder dazu. Während man nicht allen Gedankensprüngen des Protagonisten folgen will, hängt man förmlich an den Bildern, die von der ruhigen, beobachtenden Kamera eingefangen werden. Es gibt kaum hektische Schnitte oder Bewegungen, stattdessen mehr statische Einstellungen und zahlreiche langsame Kamerafahrten. Als Gesamtbild entsteht durch diese ruhigen Aufnahmen in Kombination mit der Musik ein eigener Rhythmus. Von Interesse ist dabei weniger die einzelne Figur, sondern vielmehr eine Beobachtung der gesamten Gegend. Der Protagonist ist ständig von Menschen umgeben, seien es Frauen, Kinder oder alternde Musiker, die alle ihren Platz in der Erzählung finden wollen, letztendlich aber eher zur gesamten Atmosphäre beitragen, anstatt wirklich eingeordnet zu werden.

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Tim Sutton und seinem Kameramann Chris Dapkins gelingt es, eine gewisse Stimmung und die Aura der Stadt mit einem beobachtenden Blick einzufangen. So wird die fiktive Geschichte des suchenden Soulsängers in einen fast dokumentarischen Rahmen eingebettet. Zu diesem Eindruck tragen vor allem auch die Darsteller bei, die (bis auf den Hauptdarsteller) alle in Memphis leben und keine professionellen Schauspieler sind. Zahlreiche Momentaufnahmen wirken improvisiert und natürlich, als sei die Kamera nur zufälliger Beobachter. Somit rückt diese Form der Authentizität in den Vordergrund, wodurch die eigentliche Erzählung leider ein Stück weit verdrängt wird. Dialoge und Narration werden immer mehr zurückgenommen und machen Platz für eine Form von Abstraktion, die einerseits die Reise des Protagonisten charakterisiert, wodurch der Film aber andererseits seinen Halt verliert. Die Gegend wird zunehmend mystifiziert, allerdings wirkt die Geschichte selbst letztendlich zerstückelt und unfertig. So bleibt Memphis ein Film voller Atmosphäre, der eine eindeutige Faszination und Liebe zur betitelten Stadt ausdrückt und es schafft, besondere Momente einzufangen. Wer über die vernachlässigte Story hinwegsehen kann, wird darin viel Schönheit entdecken.

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Filmfestspiele Venedig (Sektion: Biennale College Cinema)
Memphis, USA 2013, 84‘
Regie und Drehbuch: Tim Sutton
Produktion: John Baker
Kamera: Chris Dapkins
Musik: Willis Earl Beal
Besetzung: Willis Earl Beal, Constance Brantley, Larry Dodson

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