Meine Schwestern

Aus dem Off erklingt Lindas Stimme, während ihr toter Körper im Leichenraum eines Krankenhauses zu sehen ist. Sie erzählt von ihrem angeborenen Herzfehler und dass sie ihre Lebenserwartung immer wieder überschritten hat. Doch vor einer erneuten Operation spürt sie, dass es die letzte sein wird, dass sie dieses Mal nicht überleben wird. Ihre letzten Tage will sie deshalb mit den Menschen verbringen, die sie am meisten liebt – ihren beiden Schwestern. Während das Wissen um das Schicksal der Hauptfigur dem Tod jegliche Spannungseffekte nimmt, ist die Herangehensweise gleichzeitig ziemlich sentimental. Denn alles, was folgen wird, jeder Moment zwischen den Schwestern, wird endgültig. Jede Umarmung und jede Unterhaltung könnte die letzte sein und diese Tatsache bleibt beim Sehen immer im Bewusstsein.

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Das gemeinsame Wochenende beginnt für Linda (Jördis Triebel), ihre kleine Schwester Clara (Lisa Hagmeister) und ihre ältere Schwester Katharina (Nina Kunzendorf) an der Nordsee, wo sie sich an alte Zeiten erinnern, die sie dort in ihrer Kindheit verbrachten. Weil das aber nicht abenteuerlich genug ist, geht es weiter nach Paris, Verwandte besuchen, nachts mit einer Fremden durch die Straßen ziehen und irgendwann vor Erschöpfung zusammenbrechen. Aber eigentlich geht es nicht um die Krankheit und auch nicht wirklich um den Abschied, sondern darum, dass Linda ihre beiden Schwestern näher zusammenbringen will, weil sie als bindendes Glied bald nicht mehr da sein wird. Dabei scheint der Film den Einzelkämpfer-Status seiner drei eher klischeehaften Figuren immer wieder in den Vordergrund zu drängen. Da wäre die junge Träumerin, die nichts auf die Reihe bekommt, in ihrem Parka versinkt und das erste Langzeitstudium abbrechen will, um in Paris Kunst zu studieren. Die älteste Schwester – Mutter, verheiratet, verantwortungsbewusst, erwachsen und kühl – verdirbt den anderen am liebsten den Spaß und verliert ihre steife Art nur, wenn sie betrunken mit der Jugendliebe rumknutscht. Die mittlere Schwester muss dann natürlich eine Mischung aus den beiden anderen sein: erwachsen, aber immer noch abenteuersuchend, warmherzig, aber manchmal distanziert und immer schwankend zwischen Leichtsinn und Verantwortung. Die Unterschiede sind überdeutlich, die „schwesterliche Liebe“, die der Film vermitteln will, kommt aber irgendwie zu kurz.

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Regisseur Lars Kraume wollte laut eigener Aussage unbedingt mit diesen drei Schauspielerinnen arbeiten und das merkt man dem Ergebnis auch an. Es ist weniger ein Film über Schwestern oder deren Beziehungen geworden, als vielmehr ein Film über drei Schauspielerinnen. Und vor allem ein Film, der sich zu sehr auf diese verlässt und damit dramaturgische Schwächen verbergen will. An den Darstellerinnen liegt es auch nicht, dass der Film seine Wirkung verfehlt. Das Problem ist eher die Ausstellung dieser Schauspielkunst im Gegensatz zur intensiveren Beschäftigung mit den Charakteren. Meine Schwestern kann zwar sicher berühren und dem ein oder anderen eine vorprogrammierte Träne entlocken, der Eindruck bleibt aber affektiv und vereinfacht.


Meine Schwestern, D/F 2013, 90’
Regie: Lars Kraume
Drehbuch: Esther Bernstorff
Produzenten: Frank Döhmann, Lars Kraume
Kamera: Jens Harant
Schnitt: Barbara Gies
Besetzung: Jördis Triebel, Nina Kunzendorf, Lisa Hagmeister
Verleih: Alamode Film/Filmagentinnen
Kinostart: 06.02.2014

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