Margarita, with a Straw

Wer sich den Trailer zu Margarita, with a Straw anschaut könnte denken, es handele sich um einen Film über eine junge Frau mit Behinderung, der in großem Stil versucht, seine Zuschauer zum Weinen zu bringen. Tatsächlich ist das nur bedingt der Fall, denn in den meisten Fällen ist es fast egal, dass die Protagonistin Laila an ihren Rollstuhl gebunden ist und nur undeutlich sprechen kann. Ihre Probleme sind eher die eines jungen Menschen, der seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden hat, als die eines Außenseiters.

Natürlich gibt es Momente in denen ihre Behinderung der Grund ist, warum Laila gewisse Dinge nicht tun kann oder tun darf, jedoch wird ihrer Krankheit nie so ein großer Raum eingeräumt, dass man sie rückhaltlos bemitleiden müsste. Stattdessen geht es in Margarita, with a Straw darum, sich selbst zu lieben – etwas, dass jeder Mensch in seinem Leben lernen sollte, ob mit oder ohne Behinderung. Dies wird in der letzten Szene des Films deutlich, in dem sich Laila mit einem Cocktail in der Hand in einem Barspiegel erblickt, lacht und sich selbst zuprostet.

Das Thema der Selbstliebe zieht sich durch den ganzen Film und bestimmt die Konflikte, denen sich die Protagonistin ausgesetzt ist. Da gibt es den Jungen, der ihre Zuneigung nicht erwidert, den Musik-Wettbewerb, den sie nur aufgrund ihrer Behinderung gewinnt, oder die Eltern, aus deren Kontrolle sie sich befreien will, ohne diese zu enttäuschen.

Der Film greift in geringem Maße auch die kulturellen Unterschiede zwischen den USA und Indien auf. Laila kann mit einem Stipendium an der New York University studieren und beginnt eine lesbische Beziehung mit einer Blinden. Homosexualität ist in Indien jedoch noch ein größeres Tabu als im Westen, weshalb sich der Konflikt zwischen ihrer persönlichen Freiheit und der Kontrolle ihrer Eltern auch auf dieser Ebene manifestiert. Die Lösung des Films ist leider einigermaßen unelegant, da es zwar zur Versöhnung von Mutter und Tochter kommt, aber nicht weil die Charaktere sich zu diesem Punkt entwickeln, sondern weil die Mutter überraschend stirbt. Insgesamt ist Margarita, with a Straw ein Film, der mit einem sehr schwierigen Thema, wie das Leben mit einer Behinderung, sehr sensibel umgeht und wenig überdramatisiert.

Reihe: Neues Internationales Kino
Margarita, with a Straw, Indien, 2014, 100 Min.
Regie: Shonali Bose
Co-Director: Nilesh Maniyar
Buch: Shonali Bose, Nilesh Maniyar, Atika Chohan
Darsteller: Kalki Koechlin, Revathy, Sayani Gupta, William Moseley, Hussain Dalal
Verleih: Wide

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