Männer auf Fahrrädern

Im französischen Originaltitel sitzt Alceste, Hauptfigur aus Molières Komödie „Der Menschenfeind“, auf dem Fahrrad. Im deutschen Titel wird daraus der Autor selbst. Im Englischen darf man dann sogar mitfahren: Cycling with Moliere. Dass man über deutsche Verleihtitel oft nur den Kopf schütteln kann, ist nichts Neues. In diesem Fall sind ausnahmsweise mal alle Varianten bescheuert, ganz egal, wen man da aufs Fahrrad setzt. Aber blöder Titel ist ja nicht immer gleich blöder Film… nur manchmal.

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Regisseur Philippe Le Guay wagt sich in gewisser Form an einen französischen Klassiker heran, allerdings nicht als direkte Verfilmung, sondern als Erzählung einer geplanten Aufführung, wobei natürlich auch Parallelen zum Ausgangsstoff in den Film gestreut werden. Serge Tanneur (Fabrice Luchini), einst erfolgreicher Schauspieler, hat seinen Beruf mittlerweile aufgegeben und lebt zurückgezogen auf der Île de Ré. Sein ehemaliger Schauspielkollege Gauthier Valence (Lambert Wilson) ist hingegen dank der Hauptrolle in einer dümmlichen Arzt-Serie immer noch erfolgreich. Bei einem überraschenden Besuch will Gauthier Serge dazu bringen, zur Schauspielerei zurückzukehren und an seiner geplanten Theater-Produktion von Molières „Der Menschenfeind“ mitzuwirken. Passenderweise ist Serge mit seiner isolierten Lebensweise, seiner negativen Grundhaltung und der Gabe, den gesamten Text des Stücks spontan rezitieren zu können, quasi der Real-Life-Alceste (zumindest wäre er es gerne). Die Hauptfigur will Gauthier aber natürlich selbst spielen, mit der Nebenrolle des Philinte gibt sich Serge wiederum nicht zufrieden. Die geniale Lösung: Hey, wir wechseln uns einfach ab! Bei manchen Vorführungen soll der eine Alceste spielen, bei manchen der andere. Es beginnt ein tägliches Auslosen für die Rollenverteilung beim Proben, wobei Streitereien und Neid vorprogrammiert sind. Hier und da werden platte Witzchen eingestreut und eine schöne Frau, an der letztendlich beide interessiert sind, muss natürlich auch her. Als Figur bleibt sie aber völlig uninteressant, schließlich kann eine Frau bei diesem dauerhaften Schwanzvergleich nicht mehr sein als Mittel zum Zweck. Das alles ist so langweilig und vorhersehbar, dass die einzigen annehmbaren Momente aus der Wiedergabe der Dialoge Molières bestehen, sozusagen als Kontrast zur sonstigen Banalität. Der Rest ist leider nur aufgeblasenes, offensichtliches und vor allem selbstverliebtes Schauspielerkino.

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Der Höhepunkt der Einfallslosigkeit ist sicher die Sache mit dem Fahrrad, wobei wir wieder beim Titel angekommen sind. Auf feinstem “Pleiten, Pech und Pannen” Niveau darf nicht nur einmal, sondern gleich zweimal jemand mit dem Fahrrad ins Wasser fallen. Beim Großteil des Publikums (hauptsächlich Ü50, vielleicht ist meine Abneigung also nur so ein Generationen-Ding) kam das beide Male sehr gut an und wurde mit lautem Schenkelklopfer-Lachen belohnt. Und während sich Philippe Le Guay für diese Reaktion wahrscheinlich selbstgefällig auf die Schulter klopfen würde, versinke ich augenrollend im Kinosessel. Auch wenn das kein passendes Attribut für Filme ist: Molière auf dem Fahrrad ist einfach unsympathisch.


Alceste à bicyclette / Molière auf dem Fahrrad, F 2013, 104’
Regie & Drehbuch: Philippe Le Guay
Produzentin: Anne-Dominique Toussaint
Kamera: Jean-Claude Larrieu
Schnitt: Monica Coleman
Musik: Jorge Arriagada
Besetzung: Fabrice Luchini, Lambert Wilson, Maya Sansa
Verleih & Bildrechte: Alamode Film
Kinostart: 03.04.2014

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