Malala – Ihr Recht auf Bildung

Wenn die Geschichte in diesem Film frei erfunden wäre, ich könnte leichter über den Film schreiben. Ich fürchte, er würde dann hier nicht so gut wegkommen. Ich fände ihn etwas kitschig und zu theatralisch. Sehr emotional, was an sich nicht schlecht ist und er kann durchaus zu Tränen rühren, aber doch wurde auch etwas zu dick aufgetragen. Aber darf ich das schreiben, wenn der Film doch ganz real von einer der mutigsten jungen Frauen unserer Zeit handelt? Darf ich einen Film kritisieren, der einer Frau gewidmet ist, die trotz all dem Leid, das ihr wiederfahren ist und all der Angst, die sie durchstehen musste, immer noch für die Gleichberechtigung von Frauen auf der ganzen Welt kämpft? Denn es geht um eine Jugendliche, die Vorbild für so viele junge Frauen ist, die ein Symbol geworden ist, für das Recht auf Bildung von Mädchen. 235955.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxEs geht um die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai. Im Jahr 2012 wurde die damals 15 Jährige Schülerin im Schulbus von Taliban-Terroristen ins Gesicht geschossen. Dass sie überlebt hat, gleicht einem Wunder. Noch heute ist ihre eine Gesichtshälfte gelähmt. Sie wurde angegriffen, weil sie sich seit sie 11 Jahre alt war, dafür einsetzte, dass in ihrem Land Mädchen zur Schule gehen können. Trotz Drohungen ließ sie sich von den Taliban nichts verbieten. Ihr Wunsch nach Gleichberechtigung kostete sie fast das Leben. Heute reist sie durch die ganze Welt, trifft die großen Stars und spricht mit Staatsoberhäuptern darüber, wie man die Bedingungen für Kinder und ihre Chance auf Bildung verbessern kann. 279086.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxSie ist die jüngste Nobel-Preisträgerin der Welt. In ihre Heimat Pakistan, kann sie nicht zurück. Immer noch wollen viele sie tot sehen. Auch für mich ist sie eine Heldin und darum hat sie solch eine hagiographische Dokumentation irgendwie auch verdient. Sie ist schließlich auch ein vorbildhafter Mensch und auch wenn es sonst eher ein Kritikpunkt für mich ist, wenn jemand so ganz ohne Makel darstellt wird, der Film soll eben ihrer Person und ihren Taten huldigen. Man könnte sagen, der Film ist ein Dankeschön von Regisseur Davis Guggenheim („Eine unbequeme Wahrheit“) an die immer noch sehr aktive Bildungsaktivistin. Der Film beruht auf Malalas Buch »Ich bin Malala«. Die Geschichte hat sie schon erzählt und Guggenheim brachte nun die passenden Bilder dazu. So wird durch Montagen und liebevoll gezeichneten Rückblenden, ein durchweg sympathisches Bild von Malala kreiert. Sie wird sowohl als das gewöhnliche, freche aber dadurch liebenswerte Teenagermädchen mit ihrer Familie gezeigt, als auch als die wortgewandte, sehr intelligente Kämpferin, die uns in dem Film eindrucksvoll zeigt , dass sie niemals aufgeben wird, für ihre Sache einzustehen. 236893.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxBesonders ihre Beziehung zu ihrem Vater steht in dem Film im Vordergrund. Er war ihr Vorbild und er hat sie ihren Brüdern gegenüber gleichberechtigt, wenn nicht sogar bevorzugt behandelt. Ihre Mutter wird dabei eher als rückwärtsgewandte und ängstliche Nebenfigur eingesetzt. Sie spiegelt das konservative Frauenbild im Islam wieder. Der Regisseur und auch Malala machen in dem Film sehr deutlich, was sie davon halten, nämlich nichts. Der Film ist eher für Zuschauer gemacht, für die eine besondere Geschichte alleine nicht ausreicht, um gerührt zu sein. Daher die vielen künstlichen Bilder und Zusammenschnitte, die gewählten Farben, Die Beleuchtung und die Musik, die alle auf eine maximale emotionale Beteiligung des Zuschauers abzielen. Malala kann ich das aber nicht vorwerfen. Sie muss man einfach lieben.

USA 2015
Kinostart Deutschland 22. Oktober 2015
Regie: Davis Guggenheim
Verleiher: Fox Deutschland
Kamera: Erich Roland
Komponist: Thomas Newman
Mit: Malala Yousafzai
Genre: Dokumentation

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