Machine Gun Preacher

Die Geschichte klingt zunächst ziemlich unglaubwürdig: Ein drogensüchtiger Ex-Knackie hört Gottes Stimme und fühlt sich zu Größerem berufen. So baut er  zunächst eine kleine Kapelle in seinem Heimatort für Menschen, die wie er anders sind, sei es wegen einer Drogenvergangenheit oder weil sie homosexuell sind, und dafür ausgegrenzt werden. Daraufhin geht er als Ehrenamtlicher nach Afrika, um dort beim Bau von Schulen und Waisenhäusern zu helfen.

Es handelt sich dabei aber nicht um einen Hollywood-Film, der versucht den christlichen Glauben als Erlösung zu preisen, sondern eigentlich um die Verfilmung einer wahren Geschichte. Die Geschichte von Sam Childers.

Sam Childers veröffentlichte ein Buch unter dem Titel “Machine Gun Preacher” auf dem der gleichnamige Film basiert. Marc Forster hat sich dieser Aufgabe angenommen, was zunächst kein schlechtes Zeichen ist, ist er bisher für Filme wie “Monster’s Ball”, “Finding Neverland” und “James Bond 007 – Quantum of Solance” verantwortlich. Leider kann Forster aber an seine Vorläufer nicht anknüpfen. So bleibt der Tiefgang der Geschichte auf der Strecke und geht viel zu wenig auf den Wandel Sam Childers ein. Es erscheint fragwürdig, dass ein Mensch mit seiner Vergangenheit, der zu Anfang des Film noch seine Frau für ihre Gottesnähe verspottet, nach einigen wenigen Kirchenbesuchen aber selbst zum treuen Kirchgänger wird und dadurch Gottes Stimme empfängt. Und gerade das sollte ein solcher Film doch ausmachen, der die Geschichte und Handlungen einer einzelnen Person und dessen Wandel darstellt.


Nichtsdestotrotz ist der Film in meinen Augen aber nicht gänzlich misslungen. Im Gegenteil: er macht auf die Missstände im Sudan und Uganda, samt der Bürgerkriege und Rebellen, aufmerksam. Er zeigt, wie die Menschen von Rebellen aus ihren Dörfern vertrieben und hingerichtet werden und die Kinder zu Soldaten rekrutiert werden. Jetzt gibt es viele Kritiker die sagen: warum braucht man solch einen Film oder warum engagiert sich Childers so in den afrikanischen Gebieten, gibt es doch in seinem Heimatland genug Elend und hilfebedürftige Kinder. Aber da es ein Film mit autobiografischem Anspruch ist, ist dies eine nichtberechtigte Kritik. Der Film geht auch mit Childers selbst hart ins Gericht, da er nicht nur die guten Seiten Childers zeigt, wie er im Sudan Kinderleben rettet und sich gegen den Rebellenführer Kony einsetzt. Denn auch die negativen Seiten, die ein solches Leben mit sich bringen werden hervorgehoben. So distanziert er sich immer mehr von seiner Familie, die ihn anfangs noch unterstützt, doch über die Jahre hinweg den Stellenwert in seinem Leben verliert. In einer Szene fragt Childers Tochter ihn, ob sie sich zu ihrem Abschlussball mit ein paar Freundinnen eine Limousine teilen könne. Childers reagiert daraufhin äußerst wütend und schreit seine Tochter an, wie sie auf die Idee käme, für so etwas Geld zu verlangen, immerhin bräuchten die Waisenkinder im Sudan viel dringender ihr Geld.

Die moralischen Abgründe und familiären Defizite werden in der filmischen Inszenierung sehr deutlich, wenn auch die Entwicklung Sam Childers nur sehr oberflächlich beleuchtet wird. Am Ende des Films, begleitend zum Abspann, ist der “echte” Sam Childers zu sehen, wie er in Afrika tätig ist und wie sich auch die familiäre Situation entwickelt hat. Es herrscht nicht einmal eine annähernde Ähnlichkeit zwischen ihm und Gerard Butler. Dieser spielt seine Rolle durchaus gut (wenn auch die Szenen in Afrika überzeugender von ihm wirken, als die in der heimischen Kapelle als Prediger), verdeutlicht aber auch, dass er vermutlich primär aus optischen Gründen engagiert wurde.

Der Film wurde, wen wundert es, direkt auf DVD und BluRay veröffentlicht und hat es nur in sehr wenige, ausgewählte Kinos geschafft und lief dort auch nur sehr kurz. Es hätte dem Film sehr gut getan, die Gewichtung der Lebensabschnitte besser auf die 129 Minuten zu verteilen. So hätte Forster mehr Aufmerksamkeit der Entwicklung zum “Gutmenschen Childers” widmen können und weniger auf die Arbeit in Afrika. Nichtsdestotrotz sind die Bilder der zweiten Hälfte beeindruckend und erschreckend zugleich. Auf der einen Seite gibt es Momente, in denen die Waisenkinder in ihrem neuen Heim Fußball spielen und einfach das sein können, was sie sind: Kinder. Auf der anderen Seite gibt es aber auch brutale und erschreckende Momente, in denen die Kinder ihre eigenen Eltern töten müssen, um sich danach den Rebellen anschließen zu können (oder eher zu müssen).

Die BluRay fällt hinsichtlich der Special Features etwas mau aus, finden sich darauf nur ein Cast&Crew-Intwerview, ein Making the Music, ein Musikvideo und der Trailer. Ein paar mehr Hintergrundinformationen zu und von dem “echten” Sam Childers wären hier wünschenswert gewesen.

Machine Gun Preacher, USA 2011, 129′
Regie: Marc Forster
Besetzung: Gerard Butler, Michelle Monaghan, Michael Shannon

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