Lilyhammer

In der ersten Eigenproduktion von dem amerikanischen Video-on-Demand-Anbieter Netflix in Koproduktion mit der staatlichen norwegischen Rundfunkanstalt NRK, darf Steven Van Zandt („Sopranos“) wieder einmal in die Rolle eines Mafia-Gangsters schlüpfen. Als geheimnisvoller Immigrant Frank Tagliano, der im norwegischen Lillehammer ein neues Leben anzufangen versucht, fällt er in dem kleinen friedlichen Örtchen  durch seine einnehmende und recht raue Art auf. Ziemlich schnell kann der Neuling wichtige Beziehungen knüpfen, sodass langsam ein neues Machtgeflecht zu seinen Gunsten entsteht. Anders gesagt: Frank baut sich seine eigene kleine Mafia-Gang auf, nur mit herzlichen aber etwas dümmlichen Pudelmützenträgern als Gefolgschaft, statt mit den brutalen schmierigen Verbrechern aus seiner alten Heimat. Doch schon bald holt ihn seine Vergangenheit ein. Denn in New York hat er seinen ehemaligen Boss an das FBI verraten, nachdem dieser ihn ermorden lassen wollte. Seine ehemaligen Gang-Kollegen sinnen auf Rache. Da sich Frank aber eben nicht gerade unauffällig verhält, dauert es nicht lange bis das schöne kleine Lillehammer Ziel der Verbrecher wird. Doch weder Frank, noch die eigentlich eher gemütlichen Norweger, sollte man unterschätzen.lilyhammer-2-van-zandt

Schon das Serien-Intro zeigt, was einen erwarten wird. Erst sieht man New York. Es ist heiß, voll mit Autos und Menschen, eben eine moderne wuselige Großstadt. Danach eine weite, leere, stille aber wunderschöne Schneelandschaft inmitten der Natur: Eben ein kleiner Kaff in Norwegen. Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander. Die Serie brilliert durch gesellschaftlich interessante und aktuelle Streit-Themen und dem prägenden Humor, mit dem die die kulturellen Unterschiede und Schwierigkeiten bei Themen wie Migration, Religion und Geschlechterfragen behandelt werden. Frank, der es gewohnt ist alle Probleme mit Schmiergeld oder Androhung von Gewalt zu lösen, stößt auf die Norweger mit ihrer strikten Bürokratie und Regelbefolgung. Der amerikanische Führerschein ist hier nicht gültig und eine Waffe gibt es nicht ohne schwer zu bekommenen Waffenschein. Auch das Jagen ist streng reguliert. Für Frank und wohl auch für die amerikanischen Zuschauern kaum zu glauben. Auch an dem Weltbild des Patriarchen wird hier und da heftig gerüttelt. Ein Mann als Hebamme? Eine Frau als Chefarzt? In Franks Vorstellung ist das nicht vorgesehen. Trotzdem mag man ihn irgendwie. Er hat ein gutes Herz und auch wenn er sich zunächst zu oft aufregt und sich wenig einsichtig zeigt, so lernt er die norwegische Kultur doch langsam lieben. Und auch wenn er manchmal wirklich ein Fiesling sein kann, so gibt es doch immer noch viel größere Arschlöcher, mit dem eben auch nur Frank fertig werden kann. Für viele ist er ein guter Freund und Helfer, nur verarschen sollte man ihn nicht.storebilder5 Die Serie bewertet die verschiedenen Ansichten der Protagonisten nicht, aber zeigt immer beide Seiten der Medaille. Brauch man nicht manchmal doch Gewalt? Zum Beispiel um sich selbst gegen Gewalt zu wehren? Ist ein radikales Öko-Leben den eigenen Kindern gegenüber fair? Ist es frauenfeindlich in seinem Nachtklub Stripperinnen arbeiten zu lassen? Kulturkampf ist da wohl vorprogrammiert. Besonders schön wird auch die von Vorurteilen geprägte Angst vor muslimischen Mitbürgen aufgegriffen. Da werden die Lachmuskeln schon stark strapaziert. Das ganze sollte man auch nicht so ernst nehmen und dann kann man über die verrückten Situation schmunzeln und über das Glück und Pech der sympathischen- bis weniger sympathischen Figuren. Eine Serie die man gut im Beisein von Freunden mit einem schönen Bier genießen kann. Dann kann man sich auch gleich noch freuen, dass Alkohol bei uns nicht so teuer ist wie in Norwegen.

 

Bilder:

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http://www.moviepilot.de/files/images/series/file/10921238/lilyhammer-wallpaper-01.jpg

 

Lilyhammer
Norwegen, USA
Erstausstrahlung Norwegen: 25. Januar 2012
Idee: Anne Bjørnstad, Eilif Skodvin
Produktion: Agnete Thuland, Trond Berg-Nilsen
Besetzung: Steven Van Zandt, Sven Nordin
Sender: Netflix, NRK1
Genres: Komödie, Polizeikrimi, Drama

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