Legend of Tarzan

Tarzan (Alexander Skarsgård) wurde nach dem frühen Tod seiner Eltern von Gorillas im Dschungel aufgezogen und hat dadurch erstaunliche Fähigkeiten erlangt. Vom harten und gefährlichen Leben in Afrika, ist er aber mittlerweile zurück in die abenteuerarme Großstadt gezogen und lebt als Lord mit seiner Frau Jane (Margot Robbie) ein gewöhnliches, aber gutes Leben in London. Nach anfänglichem Zögern, lässt er sich dazu überreden im Auftrag für die englische Krone bei dem Handel mit dem neu entdeckten Kontinent Afrika als neutraler Part zu vermitteln. Doch der Auftrag entpuppt sich als eine Falle und schon bald muss er nicht nur Jane retten, sondern auch gleich noch gefühlt ganz Afrika. Genau hier liegt dann auch der größte Kritikpunkt an dem Film. Denn Tarzan, der als nobler und nahezu übermenschlicher weißer Held auftritt, ist das pure Klischee von hegemonialer Männlichkeit.tarzan

Sein unbekleideter muskulöser Körper wird ständig und zugegeben durchaus ästhetisch zur Schau gestellt, seine Potenz durch Liebesszenen mit Jane unter Beweis gestellt und seine enorme Kraft präsentiert er den ZuschauerInnen in actionreichen und großzügig inszenierten Kämpfen gegen ihm eigentlich körperlich überlegende Tiere. Die unsympathischen Männer als seine Gegenspieler und die afrikanischen Dschungelbewohner benötigen Waffen, um sich zu verteidigen und wirken ohne sie hilflos, schwach und im Vergleich zu Tarzan, der stattdessen seinen eigenen Körper als Waffe nutzen kann, weniger heroisch. Durch diese filmisch inszenierte Gegenüberstellung von untergeordneten und hegemonialen Männlichkeitsbildern, wird mit Tarzan eine stereotype-Heldenfigur ganz im Sinne patriarchaler Vorstellungen konstruiert und reproduziert. Heutzutage, so sollte man meinen, würden die fragwürdigen imperialistischen und rassistischen Diskurse des literarischen Vorbilds von Tarzan doch nicht unreflektiert in einem Film übernommen werden, oder? Um das kritische und aufgeklärte Kinopublikum zu besänftigen, hat Tarzan mit Samuel L. Jackson einen lustigen Sidekick bekommen. Der ist ein bisschen trottelig aber kann dafür gut mit Waffen umgehen. Der witzige Quotenschwarze also. Besonders ärgerlich daran ist, dass die von Samuel Jackson gespielte Figur einer realen historischen Person nachempfunden wurde. Der amerikanische Bürgerkriegsveteran George Washington Williams, deckte 1890 mit seinem öffentlichen Brief an König Leopold die vertuschten Verbrechen im Kongo auf. Gräueltaten, die auch im Film angerissen wurden, wie zum Beispiel die systematische Versklavung und Ermordung der afrikanischen Bevölkerung.jackson

Statt die realen Heldentaten einer schwarzen Figur genauer zu beleuchten, wird eine fiktive weiße Figur zum „Retter der Unschuldigen“ konstruiert und statt das Schicksaal der Afrikaner genauer zu thematisieren, wurde lieber die typische „Mann rettet Frau-Story“ zur Haupthandlung erklärt. Dass dürfe wohl auch daran liegen, dass der Film sonst nicht mehr als lustiger Familienfilm durchgehen würde. Denn auch wenn es ein wenig Drama gibt, soll der Film eindeutig in erste Linie Spaß machen. Also muss Tarzan eben Jane retten und nur ganz nebenbei noch ein paar Sklaven befreien. Kein Scherz: Selbst die Tiere sind im Film selbständiger bei ihrer Verteidigung gegen die weißen Eindringlinge als die Afrikaner. Die wenigen starken Krieger sind zu sehr mit ihren Rachegelüsten beschäftigt, um die Bedrohung von Außen zu erkennen. Da muss im Film ernsthaft erst der schlaue rational denkende weiße Tarzan kommen und die emotionalen Afrikaner drauf aufmerksam machen. Stereotyp reiht sich an Stereotyp. Auch der Tod einiger Tiere ist wesentlich dramatischer Inszeniert als die Ausbeutung der Bevölkerung durch die Kolonialmächte. Das ist weder spannend noch angebracht, wenn man die vielen Opfer und eigentlichen Helden dieser Zeit zur Nebenhandlung degradiert. Es reicht nicht aus, dass sich der Film moralisch eindeutig auf die Seite der Ausgebeuteten Ureinwohner stellt und die britischen Eroberer als Filmbösewichte inszeniert, wenn es dann aber auch eine weiße Heldenfigur braucht, um die Gerechtigkeit wieder herzustellen und das Unrecht zu bekämpfen.jane

Genauso wie es nicht ausreicht, Jane nicht als ganz hilflose Geisel dazustellen oder ihr ein vorlautes Mundwerk zu verpassen, um aus ihr eine starke weibliche Figur zu machen. Am Ende muss sie schließlich doch gerettet werden und hat im Film keine andere Funktion, als den eigentlichen Helden Tarzan zu motivieren eben seinen Helden-kram durchzuziehen. Und natürlich um sicherzustellen, dass dieser trotz der durchaus ungewöhnlichen Inszenierung als Lustobjekt mit viel nackter Haut als heterosexuelle Figur wahrgenommen wird. Kurz: Alle Figuren in dem Film sind nur dafür da Tarzan als Helden hervorzuheben. Völlig unkritisch und ernst gemeint.

 

Literatur:

Connell, Robert W. : Der gemachte Mann: Konstruktion und Krise von Männlichkeiten
Hißnauer, Christian, Klein, Thomas: Männer, Machos, Menmmen. Männlichkeit im Film.

USA 2016
Kinostart: 28.07.2016
Regisseur: David Yates
Produzent: David Yates
Verleiher: Warner Bros. GmbH
Mit: Alexander Skarsgård, Margot Robbin, Samuel L. Jackson, Christoph Waltz
Genre: Abenteuerfilm, Actionfilm, Drama

Bilder von www.filmstarts.de

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