Lass den Sommer nie wieder kommen

Alexandre Koberidzes erster Langfilm (und den Titel hat er sich mit seinen unglaublichen 202 Minuten verdient) zeigt uns eine anthropologische Untersuchung der georgischen Hauptstadt Tiflis. Wir werden in den über 3 Stunden Spielzeit Zeuge von unzähligen Bildern von flandierenden Einwohnern, passierenden Autos und LKWs und sehr vielen schlafenden Hunden und herumwandernden Katzen. Aber wozu das alles? Wozu schauen wir uns diese langwierigen, ja trivialen und fast langweiligen Bilder des Alltags an?

Mysteriöse Zwischensequenzen erzählen vom Krieg, der im Sommer ausbrach. Zusammen mit dem Filmtitel lässt sich schließen, dass alles, auch der bedeutungslose Alltag auf den Straßen einer Großstadt, besser ist als der – im Rahmen des Filmes normalerweise als so spannend empfundener – Kriegsalltag.

Auch das Material des Films wird untersucht, das durch seine hohe Komprimierung die Pixel(-blöcke) sichtbar und die automatische Helligkeitskorrektur der Kamera fühlbar gemacht und überstrapaziert wird.

Dankbarerweise wird die triste Beobachtung der Stadt, der Pixel mit sehr raren augenzwinkernden (denn der Regisseur weiß, welcher Tortur er dem Zuschauer unterzieht) Gags unterbrochen, die nur die Absurdität evident macht, dass sich ein Saal voller Zuschauer sich 3 Stunden lang Straßenverkehr, herumstreunende Tiere und Fußgänger ansieht.

Sektion: Woche der Kritik

Deutschland 2017, 202 Min.

Regie: Alexandre Koberidze

Schauspieler: Mate Kevlischvili, Giorgi Bochorishvili

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