Landraub

 

Achtest du beim Kauf von Produkten auf deren Herkunft?
Wärst du bereits für Produkte mehr zu bezahlen, wenn sie unter fairen Bedingungen und umweltschonend produziert werden?
Wer sich den Film „Landraub“ anschaut, wird sich danach genau diese Fragen stellen müssen.

Regisseur Kurt Langbein will mit seinem Film betroffen machen und den Zuschauern vor Auge führen, was es für Auswirkungen hat, wenn in Zukunft statt Kleinbauern fast nur noch Großkonzerne mit Profitinteressen Ackerland besitzen. Dafür zeigt er uns zwei Welten, die unvereinbar erscheinen und sich doch gegenseitig bedingen: Die der reichen Inverstoren und Vertreter der großen Wirtschaftskonzerne und die der Kleinbauern und Arbeiter aus ärmere Regionen. Während in der Welt der Konzerne das große Geld gemacht wird, indem nach rein kapitalistischer Logik immer größere und scheinbar perfekt organsierte Landwirtschaft betrieben wird, leidet die ansässige Bevölkerung unter Vertreibung, Hunger und Perspektivlosigkeit.

518577.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx Das Ackerland, welches sie bräuchten um sich selbst zu ernähren, wird von riesigen Konzernen aufgekauft, die statt Nahrung für die Region anzupflanzen, für die Märkte der wohlhabenden Länder zuhause produzieren. Eigentlich sollte der Film einen nicht überraschen, denn natürlich ist jedem insgeheim bewusst, dass unser egoistischer Konsum anderen Menschen auf dieser Welt schadet. Doch der Film zeigt dies noch einmal in einer ganz anderen Dimension. Eine Fläche halb so große wie Europa wurde bereits aufgekauft, mit drastischen Folgen für Mensch und Umwelt. Es sind die Programme der EU, die Ackerböden durch Subventionierung und Hilfsgelder als Geschäftsfeld erst interessant gemacht haben. Dabei wird das Land von ausländischen Inverstoren unter der Zustimmung der EU viel zu billig und ohne die Bevölkerung ausreichend über die Folgen zu informieren übergeben. Gegen den Verkauf können sich die Bauern meist gar nicht wehren und werden gar mit Gewalt vertrieben. So könnte der Titel „Landraub“ nicht passender sein, denn es handelt sich, dass zeigt uns der Film, um eine moderne Art der Kolonialisierung Afrikas und Asiens durch die westliche Welt. Nur mit Geld statt mit Waffen.

512890.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxxDer Film lässt beide Parteien zu Wort kommen. Es gibt keine Off-Stimme, die uns erklärt, was moralisch richtig und was falsch ist. Mit geschickt geschnittenen Montagen wird gezeigt, wie unterschiedlich die Selbstbilder der Vertreter beider Welten sind. Während es von den Investoren heißt, dass sie praktisch Wirtschaften würden und so die Nahrungsversorgung „der ganzen Welt“ absichern würden, Arbeitsplätze schaffen würden und so auch Wohlstand für alle, sieht man demgegenüber gestellt die ehemaligen Bauern, die sich von ihrem Lohn als Fabrikarbeiter nicht einmal mehr den Reis zum Essen leisten können, den sie zuvor noch auf den Flächen angebaut haben, wo jetzt eine fragwürdige Monokultur neben der nächsten angebaut wird. Große Luftbilder von gerodetem Regenwald, auf denen endlose Palmenplantagen gebaut werden und Close-ups von weinenden Müttern, die dem Zuschauer ihre durch Zwangsräumung zerstörten Häuser zeigen, machen doch sehr schnell deutlich, auf welcher Seite sich der Film positioniert.114307.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx Statt mit platter unsachlicher Verurteilungen schafft der Film durch die Nähe zu den betroffenen und der klaren Darstellung von konkreten Begebenheiten, den Zuschauer von seiner Botschaft zu überzeugen. Auch wenn der Film letztendlich uns Zuschauer nicht direkt anspricht, so schafft es dir Film aber die richtigen Assoziationen zu wecken, sodass dass wir begreifen, dass auch wir unseren Teil dazu beisteuern, dass die Lebensgrundlag der Menschen in Entwicklungsländern zerstört wird. Zumindest bei mir hat der Film mich daran erinnert, dass ich wieder genauer beim Einkaufen hinschauen sollte, was ich da eigentlich unbewusst für Machtstrukturen unterstütze. Leider läuft dieser wichtige Film nicht in den Braunschweiger Kinos.
Deutschland , Österreich
Kinostart: 8. Oktober 2015
Drehbuch: Kurt Langbein, Christian Brüser
Produzent und Regisseur: Kurt Langbein
Kamera: Wolfgang Thaler, Attila Boa, Christian Roth
Schnitt: Andrea Wagner
Fernsehbeteiligung: ORF (Film/Fernseh-Abkommen)
Musik: Thomas Kathriner
Verleih: movienet
Genre: Dokumentation

 

Bildquelle: www.filmstarts.de

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