Labor Day

Von Claudia Bornhöft

Labor Day spielt im Jahr 1987 in New Hampshire und erzählt die Geschichte von Adele, einer depressiven Mutter, die gemeinsam mit ihrem Sohn Henry zurückgezogen lebt. Alles verändert sich, als der Mörder Frank unfreiwillig in ihr Leben tritt.

Wenn man über den Film etwas sagen möchte, fallen einem zunächst die Wörter sanft, emotional und geheimnisvoll ein. Schon der Beginn des Films vermittelt eine schwermütige Stimmung. Durch eine ruhige Kamerafahrt sowie weiche Überblendungen, die in die Szenerie einführen, kommt das Gefühl von Melancholie auf. Trotz viel Bewegung ist die Kamera nie hektisch und gibt dem Film insgesamt eine schöne Bildästhetik.
Labor DayDer Plot des Films ist weder neuartig, noch enorm mitreißend, trotzdem sorgt die Narration für eine anhaltende Spannung. Die Hintergründe der Hauptcharaktere sowie Einzelheiten zu Ereignissen werden nicht plump erzählt, sondern bis zum Ende hin langsam enthüllt. Vor allem die Geschichte des Eindringlings Frank wird auf interessante Weise inszeniert. Immer wieder werden kurze Flashbacks gezeigt, die jedoch erst kurz vor Ende des Films preisgeben, was in seiner Vergangenheit passiert ist. Zwar sind Spekulationen möglich, aber ein komplettes Bild stellt sich erst spät ein. Ebenso verhält es sich mit Adele. Warum sie kaum ihr Haus verlässt und depressiv zu sein scheint, wird ebenfalls erst am Ende klar. In beiden Fällen wird mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt, sodass Überraschungseffekte auftreten.

Insgesamt überzeugt der Film hauptsächlich mit sehr gutem Schauspiel, vor allem durch Kate Winslet, die die Rolle der depressiven und angsterfüllten Frau glaubhaft darstellt. Insbesondere die Szenen, die außerhalb des Hauses stattfinden und für Adele aufgrund ihres psychischen Zustandes eine Qual sind, wirken durch großartige Mimik und Gestik authentisch. Zudem besteht ein guter Einklang zwischen Musik, Schauspiel und der zu vermittelnder Stimmung. Die Melancholie, die den Film umgibt, wird durch die überzeugende Darstellung der Charaktere in Verbindung mit klangvoller Musik erzeugt. Die sparsamen Dialoge sowie das verzögerte Preisgeben von Einzelheiten unterstützen das langsame Tempo des Films.

Als ein Manko sind einige klischeehafte Darstellungen bezogen auf Frank und dessen Handlungen gegenüber Adele und Henry zu nennen und zum Teil nicht nachvollziehbare Entwicklungen. Die sichtbar schlechte emotionale Verfassung von Adele lassen es jedoch plausibel erscheinen, dass sie einen fremden und scheinbar gefährlichen Mann derart schnell in ihr Leben lässt. So wird ein idyllisches Bild einer dysfunktionalen Familie vermittelt. Die hochemotionale und gefühlvolle Stimmung wird zwar glaubhaft vermittelt, jedoch ist der Übergang von Idylle zu Kitsch zum Teil übertrieben und zerstört sich damit selbst. Wer jedoch emotionales Kino und ruhiges Tempo mag, verschwendet mit Labor Day nicht seine Zeit. Zudem sind Bildgebung und Kameraarbeit sehr ästhetisch anzusehen und helfen über die eine oder andere Schwachstelle in der Geschichte hinweg.

Labor Day, USA 2014, 111′
Regie & Drehbuch: Jason Reitman
Kamera: Eric Steelberg
Darsteller: Kate Winslet, Josh Brolin, Maika Monroe, Tobey Maguire
Verleih: Paramount Pictures Germany

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