Knight of Cups

Man konnte eigentlich gespannt sein auf “Knight of Cups”, den neuen Film von Terrence Malick. Bisher litten seine Protagonisten daran, dass sie als Menschen sich maximal von der Natur entfernt hatte, und ihr Streben aber auch ihre schlechte Laune rührte daher, dass sie zu einem imaginierten Urzustand zurück wollten. In der Malickschen Filmosophie schlug sich das in unglaublich schönen Bildern nieder und in nachdenklichen männlichen Charakteren. “Knight” hätte allein schon dadurch anders werden können, da das Setting diesmal in eine Großstadt verlegt wurde. Und nicht irgendeine, sondern direkt nach Los Angeles, Hollywood, inklusive Tagesausflug nach Las Vegas. Direkt in die Hölle also.

Man darf also träumen, denn wenn Malick Städte so filmen würde, wie er Natur inszeniert, hätte das ein beeindruckendes Spiel von Oberflächen, Glitzer, Scheiben und Spiegelungen ergeben. Aber zu behaupten, Malick würde Oberflächen filmen, würde bedeuten, den Begriff auf unproduktive Art und Weise zu erweitern. Aber wenn Malick Scheiben filmt, dann interessiert er sich für die Durchsichten und nicht das opake Moment. Bei Wasser ist es das Spiel der Wellen am Strand oder die Tennisbälle im Pool unter Wasser. (Oder die GoPro-Aufnahmen im Meer.) Und auch auf der metaphorischen Eben ist es nicht anders: der dekadente Luxus der Hollywood-Stars drückt sich in ornamentalem Luxus aus, Ornament ist aber etwas anderes als Oberfläche, es ist die Verzierung eben dieser, ein Versuch, sie zu verstecken. Wahrscheinlich geht Malick davon aus, dass sich automatisch schon unter jeder Oberfläche Tiefe befinden muss.

Dafür hat Malick in Christian Bale das perfekte leere Gefäß gefunden, in das er seine geflüsterten Weisheiten gießen kann. Prallte an Ben Affleck in “To The Wonder” noch alles ab, (so wie immer an ihm alles abprallt), ist Bale die weit bessere Leinwand. Zum größten Teil besteht “Knight” aus leichtbekleideten jungen Mädchen, die fröhlich hüpfend die Welt erkunden und einem gnädig lächelndem Bale, der schwermütig hinterher schleicht und darüber raisonniert, dass er den Sinn des Lebens verloren habe und keine Erfüllung finden kann im Luxus Hollywoods, im flotten Dreier oder in der Vorstellung, selbst Kinder zu haben. Da das Ganze nun nicht einmal mehr durch die sonst hervorragende Fotografie Lubezkis besticht, wie das bei “Wonder” noch der Fall war, die Aufnahmen nun zu weitwinklig sind, das bezaubernde Steadicam-Flanieren in Stadt, Palast, Hotel zur leeren Attraktion verkommt und zu so abgegriffenen Bildern wie ergeben lächelnder weiblicher Schönheit unter weitem weißen Laken führt, gibt es tatsächlich keinen Grund, sich diesen Film anzusehen.

Knight of Cups
USA 2015, 118′
R+B: Terrence Malick
K: Emmanuel Lubezki
mit Christian Bale, Cate Blanchett, Natalie Portmann
Verleih: Studio Canal, Start: 10.9.2015

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