Kitschig, kitschiger, Kon-Tiki

663_Kon-Tiki-ekspedEs gibt nicht vieles, was an diesem Film der norwegischen Regissuere Joachim Roenning und Espen Sandberg von einer ordentlichen Portion Kitsch verschont geblieben ist – Sei es die Art der Erzählung, die Musik, die Bildsprache – jedes Detail wirkt zu dick aufgetragen.
So übertrieben und aufgesetzt Kon-Tiki (Norwegen 2012) auch wirkt, der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Die Geschichte des Norwegers Thor Heyerdahl, der im Jahre 1947 den Pazifik mit einem Floß überquerte um entgegen der verbreiteten Meinung zu beweisen, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus möglich war, ist im Heimatland des studierten Zoologen und Geographen überaus populär.

Da segelt also ein junger Forscher motiviert durch eine Theorie mit einem Floß quer über den Pazifik – Gut, diese Grundlage schreit förmlich nach einer heldenhaften Erzählung, aber was einem hier geliefert wird ist damit nicht zu rechtfertigen. Abgesehen von der übertriebenen Inszenierung ist der Spannungsbogen zu weit gespannt. Bis sich die Gruppe mutiger, junger Männer gefunden und auf Segelfahrt begibt scheint eine halbe Ewigkeit zu vergehen. Bis dahin plätschert die Handlung eher vor sich hin. Zu Beginn des Films befindet sich Thor ja noch auf Polynesien, wo der ach so weltoffene und abenteuerlustige blonde Mann aus dem Westen neben den “primitiven” Ureinwohnern lebt und sich auch mit ihrer Lebensweise so tief verbunden fühlt.
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Der Gipfel des Kitsches in der mit 93 Mio. Kronen bisher teuersten norwegischen Filmproduktion ist definitiv die Rolle des Hauptcharakters Thor Heyerdahl (Pål Sverre Valheim Hagen), der wie aus einer Zahnpastawerbung entsprungen zu sein scheint. Diese Rolle wirkt beinahe satirisch inszeniert, doch die Hoffnung auf solch ein Augenzwinkern bleibt leider unerfüllt. Es zaubert einem schon ein Lächeln ins Gesicht wenn Heyerdahl den Zweifeln seiner Begleiter immer wieder mit der Aussage entgegnet, sie sollen auf Kon-Tiki vertrauen, dem sagenhaften Eroberer Polynesiens vor 1500 Jahren, der das Vorbild ihrer Expedition ist -das wirkt nämlich einfach nur albern. Die mangelnde schauspielerische Leistung Valheim Hagens unterstützt die beinahe verstörend wirkende Inszenierung dieses Charakters zudem. Sein lächerliches Auftreten wird durch stereotype Bildkompositionen verstärkt, die ihn und seine Mitstreier in heldenhaften Posen glänzen lassen, die entsprechende Musik tut dann ihr Übriges.

Nun ja, um nicht das auffälligste Merkmal dieses Films, also seinen kitschigen Stil, immer wieder zu betonen, ist doch noch ein positives Element hervorzuheben. Immerhin sind die Animationen der geheimnisvollen Meereswelt und seiner Bewohner sehenswert. Die zum Teil sehr imposanten Bilder des saphirblauen Ozeans und der Meeresbewohnern, die waghalsigen Begegnungen mit bedrohlichen Kreaturen, verleihen dem Film gegen Mitte der Laufzeit ein wenig Sehspaß.
Kon-Tiki-2014-wallpapersInsprataion für die Umsetzung der filmischen Bilder lieferte übrigens der 1951 mit einem Oscar ausgezeichnete Dokumentarfilm über die tatsächliche Expedition “Kon-Tiki”. Auch der Spielfilm Kon-Tiki konnte immerhin eine Oscar- sowie eine Golden Globe-Nominierung für den besten nicht englischsprachigen Film einholen.

Letztendlich bleibt festzustellen: die einzige überzeugende Rolle ist der geheimnisvolle und unergründliche Ozean. Die Kraft dieser Naturgewalt und ihre geheimnisvolle Aura kommen zum Ausdruck und entwickeln soetwas wie eine beeindruckende Wirkung.

In Norwegen lief Kon-Tiki bisher sehr erfolgreich, aber das lässt sich wohl auch damit erklären, dass hier ein Stück norwegischer Geschichte und Identität verfilmt wurde.

Der Trailer zum Film tut was er tun soll: er liefert einen ersten Eindruck der Filmwirkung.

Kon-Tiki, Norwegen 2012, 118′
Genre: Kitsch
Regie: Joachim Roenning und Espen Sandberg
Drehbuch: Petter Skavlan
Kamera: Geir Hartly Andreassen
Schnitt: Per-Erik Eriksen
Darsteller: Pål Sverre Valheim Hagen, Anders Baasmo Christiansen, Gustaf Skarsgard
Verleih: Delphi Filmverleih
Kinostart: 21.03.2013

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