Kater

(Österreich 2016, Regie: Händl Klaus) (Panorama Special)

von Fritz Handerer

Herr Klaus lacht viel. Jede ernste Frage zum Film scheint unangebracht. Herr Klaus möchte jetzt nicht über Postproduktion reden. Er hat nicht geschlafen, nachdem er gestern den Teddy Award für Kater bekommen hat, und Toni, der Kater aus dem Film und aus dem Leben von Herrn Klaus, hat eine Maus gefangen. Darüber möchte er reden oder zumindest manisch lachen. Was sollte er auch sagen? Die alte Frage, ob es sinnvoll ist, einen Künstler zu seinem Werk zu befragen, scheint nach vielen Q&As beantwortet zu sein: Was im Film nicht erzählt werden konnte, kann auch auf der Bühne nicht nachgereicht werden. In den meisten Fällen wird das Erzählte durch stumpfes Kommentieren bedeutungsloser. Deswegen macht Herr Klaus es also sicher genau richtig, wenn er einfach nur sympathisch lacht.

Es geht um ein wunderbares Paar. Beide Musiker, gerne nackt, einander verfallen, gemeinsame Arbeitsstelle, gemeinsamer Freundeskreis, gemeinsame Begeisterung für den Garten und – schönste Szene –, wenn sie gemeinsam mit erigierten Penissen durch ihr Wohnzimmer tanzen. Ihre Romantikidylle im Wiener Vorstadthaus wird ausführlich in der dafür bekannten Art festgehalten. Lichtdurchflutete Vorhänge, rot-grün-weißes Frühstück im Bett, kerzenerleuchtetes Abendessen mit Rotwein, skandinavische Schreinereinrichtung. Dazwischen immer wieder der unheimliche Kater. Stefan liegt noch im Bett. Die weiße-Bettlaken-Gemütlichkeit wird durch unregelmäßiges Schlagen durchbrochen. Langsam schwenkt die Kamera auf den Kater. Sein Schwanz schlägt immer wieder gegen den Fensterrahmen. Stefan findet eine tote Schlange im Wohnzimmer, er schimpft auf den Kater und bahrt die Schlange unter einem Stein im Garten auf. Im Frühling ist die Schlange verschwunden, und Stefan dreht dem Kater den Hals um. Genauso plötzlich und unbegründet kommt das.

Und Andreas möchte nun nichts mehr mit Stefan zu tun haben. Sie sind nicht mehr nackt. Reden nicht mehr miteinander. Hören keine Musik mehr. Bis Stefan beim Pflaumenpflücken erblindet. Im Kümmern und Pflegen finden beide langsam wieder zueinander. Der plötzliche Wandel kommt zu unerwartet und die Bilder von Schlange und Erblinden sind zu mythisch, um Kater nicht zwangsweise als Allegorie zu verstehen. Ein Paar wird durch undefinierte Versuchung aus dem Paradies vertrieben, entwickelt Schambewusstsein und kann erst über die alttestamentarische Rachelogik des „Auge um Auge“ wieder zueinander finden, jetzt natürlich nicht mehr im Paradies, sondern im Bewusstsein der Sünde. Dahinter steht ein archaischer Determinismus-Glaube, den man sich gerne erklären lassen würde. Eine passiv erlittene Lösung ist nicht konstruktiv genug, um überhaupt als Lösung gelten zu können. Man hätte Herrn Klaus gerne gefragt, ob er die beiden wirklich als Schicksalsabhängige darstellen wollte. Wahrscheinlich hätte er gelacht. Aber was hätte er auch sagen sollen?

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