Jahresrückblick & Top Ten 2017


Erneut möchten wir auf Daumenkino das Jahr mit einer Rückschau auf die erfolgreichsten Filme in unserem Rating beenden. Mit einem finalen Sprint und lediglich einer Bewertung landet Die Lebenden reparieren von Katell Quillévéré auf unserem Spitzenplatz.
Ein großer Gewinner des Ratings ist der Filmverleih GRANDFILM mit ganzen 3 Filmen aus ihrem Verleihprogramm in unserer Top 4. Neben der Künstlerdoku Don’t Blink – Robert Frank und dem türkischen Drama Abluka – Jeder misstraut jedem, befindet sich darunter auch Der Tod von Ludwig XIV von Albert Serra, einer Verfilmung der sterbenden Sonnenkönigs mit Jean-Pierre Léaud in der Hauptrolle. Auch Peripher, unser zweiter Lieblingsverein, hat zwei Filme in unserer Top 10, zwei Filme von und über Frauen: Kommunion, der polnische Dokumentarfilm von Anna Zamecka, ebenso wie Certain Women, den wir in diesem Jahr auch in unserer Filmreihe Cinemathek gezeigt haben.
Wie in vielen anderen Bestenlisten, versammeln sich auf unserer Bestenliste die üblichen Verdächtigen des aktuelles Weltkinos: Western (Valeska Griesebrach), Nocturama (Bertrand Bonello) oder Personal Shopper (Olivier Assayas), aber auch Diamond Island, das Feature-Debüt des kambodschanischen Filmemachers Davy Chou.
Ohne Zweifel allesamt Filme, die in Braunschweig kaum oder meist gar nicht zu sehen waren, aber definitive Nachhol-Empfehlungen für 2018 sind!

Als kleiner Zusatz zum allgemeinen Rating folgen hier die individuellen Top- (und Flop-) Listen unsere Autorinnen und Autoren. Die Daumenkino-Redaktion wünscht allen Leserinnen und Lesern ein sehenswertes Kinojahr 2018! …Und wer direkt mit einem guten Film ins neue Jahr starten möchte, sei daran erinnert, dass wir am 17.01.2018 als Abschluss der aktuellen Cinemathek Die Sanfte zeigen.


Top 10 Filme
Von Thomas Ressel

01. Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes (Julian Radlmaier)
02. Casting (Nicolas Wackerbarth)
03. The Killing of a Sacred Deer (Yorgos Lanthimos)
04. Homo Sapiens (Nikolaus Geyrhalter)
05. Lass den Sommer nie wieder kommen (Alexandre Koberidze)
06. Human Flow (Ai Weiwei)
07. A Ghost Story (David Lowery)
08. Quality Time (Daan Bakker)
09. The Other Side of Hope (Aki Kaurismäki)
10. Death by Death (Xavier Seron)

Flop 5 Filme
Von Thomas Ressel

01. Star Wars – The Last Jedi (Rian Johnson)
02. Fikkefuchs (Jan Henrik Stahlberg)
03. Baby Driver (Edgar Wright)
04. Tiger Girl (Jakob Lass)
05. Downsizing (Alexander Payne)


Das Treppchen der Hollywood Filme
Von Marleen Koberski

01. Logan (James Mangold)
02. Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales (Joachim Ronning)
03. Beauty and the Beast (Bill Condon)


Top 4 Horrorfilme 2017

Von Tim Glaser

01. Get Out (Jordan Peele)

Wer Get Out nicht auf Platz 1 setzt, hat 2017 verpasst. Get Out gehört zu den besten satirischen Horrorfilmen, die je gedreht wurden. Er besticht gleichsam mit unwohligem Schaudern, absurden Momenten und Liebe zum Detail. Vielleicht lässt sich darüber streiten, ob es sich dabei überhaupt um einen Horrorfilm handelt oder wir es hier mit semi-dokumentarischen SciFi zu tun haben. In jedem Falle ein Film, der zum Nachdenken, Erschrecken und latent wahnsinnig Lachen einlädt – was möchte man mehr?

02. Shin Godzilla (Hideaki Anno, Shinji Higuchi)

Hideaki Anno ist vor allem bekannt als der Kopf hinter der populären Anime-Serie Neon Genesis Evangelion und die verschiedenen sich daran anknüpfenden Filme. Mit Shin Godzilla zeigt er, dass es keine Helden braucht, um ein radioaktives Monsters zu bekämpfen. Eine der außergewöhnlicheren Godzilla Verfilmungen und – wie ich finde – eine gelungene Abwechslung gegenüber Filmen, die sich vor allem auf Aktion und Effekte fokussieren. Lief bereits 2016 in Japan, hier aber erst 2017, daher schafft er es auf die Liste. Jetzt warte ich noch gespannter of Rebuild 4.0 – You Will (Never) Finish This Movie.

03. It (Andrés Muschietti)

Dass sich Pennywise in unser kollektives Unterbewusstsein eingebrannt hat, muss nicht weiter erwähnt werden, auch nicht, dass It einer der besten Remake-Reboot-Was-auch-immer-Filme 2017 war. It ist durch seine Nähe zum Original, Kings Buch und der vermutlich maßlos überbewerteten Fernsehverfilmung, und zur erfolgreichen Neflix-Serie Stranger Things nicht außergewöhnlich, aber so kompetent in seiner Umsetzung, dass man gut damit leben kann – bekannte Fratzen fürs Horrorherz. Wermutstropfen: wieder keine Orgie in der Kanalisation.

04. The Girl with All the Gifts (Colm McCarthy)

Seit einiger Zeit fantasiere ich schon über die Gefahr von Pilzen, jetzt gibt es die Bedrohung endlich als post-apokalpytischen Film und es gefällt mir – sowohl der klaustrophobische Anfang, als auch das seltsame Ende. Nicht der beste Zombie-Film, aber innovativ und Sennia Nanua ist großartig.

Platz 5 bleibt frei, da mir kein anderer Horrorfilm eingefallen ist, den ich für gut genug befunden habe für diese Liste (The Babysitter war immerhin unterhaltsam doof, nun ja …). Nachdem ich aber noch ein paar Filme aufzuholen habe, schätze ich mal, dass es entweder The Killing of a Sacred Deer
(Yorgos Lanthimos) oder Dave Made a Maze (Bill Watterson) werden wird. Und sicherlich habe ich ein paar Filme vergessen. Letzte Worte zu Horror 2017: mother! war Schrott.


Top 5 Games 2017
Von Philipp Fust

01. NieR: Automata (PS4, PlatinumGames)
02. Ys VIII – Lacrimosa of Dana (PS4, Nihon Falcom)
03. The Legend of Zelda: Breath of the Wild (Wii U, Nintendo)
04. Resident Evil 7: Biohazard (PS4, Capcom)
05. Elite Dangerous – Legendary Edition (PS4, Frontier Developments)


Dokumentarischer Rückblick 2017
Von Jennifer Ament

1. Havarie (Philip Scheffner)
2. somniloquies (Lucien Castaing-Taylor, Véréna Paravel)
3. Spell Reel (Filipa César)
4. I Am Not Your Negro (Raoul Peck)
5. Napalm (Claude Lanzmann)
6. Ein Haus in Ninh Hoa (Philip Widmann, Nguyen Phuong-Dan)
7. El mar la mar (Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki)
8. Mon rot fai / Railway Sleepers (Sompot Chidgasornpongse)


Trash-TV Starstunden 2017
Von Theodor Frisorger

01. Love Island | “Kleine Schwänze sind schnell gelutscht aber fleißig wie eine Nähmaschine” lautet die Familienweißheit im Hause Chetrin. Ihr Lover Dr. Mike ist zwar alles andere als klein, aber energetisch wie eine Stichsäge. Die Gutenachtgeschichten des Spukgespensts mit Strahlelächeln – einer von vielen multiplen Höhepunkten des besten TV Formats 2017.
02. Ich bin ein Star holt mich hier raus! | Während der letztendliche Dschungel-König Marc Terenzi nur als diplomatischer Streitschlichter und Trump-Supporter im Camp sichtbar in Erscheinung trat, war und ist Kader Loth die wahre Queen den Dschungels. Und während der Ehemals-Geisterbahngespenst-Jetzt-Stripper Terezi von seinen Plänen berichtet ein Buch zu schreiben, spricht Kader das aus, was wir uns alle denken: “Warum? Wer will das lesen?” In ihren erotischen Begegnungen mit Schlange und Affenmann kam ihre animalische Begierde zum Vorschein, doch zeigte sie sich auch von einer menschlichen und verletzlichen Seite (“Das ist ein Kopf, keine Maschine”).
03. Schwiegertochter gesucht | Vera Int-Veen haben wir in diesem Jahr die schönsten Anmoderationen und Alliterationen zu verdanken. Bei “Schwiegertochter gesucht” stellt sie die 17-jährige Tutti vor. Die junge Niedersächsin hat zwar keine Zeit in den Urlaub zu fahren (sie arbeitet beim Deutschen Roten Kreuz), trägt ihre Begeisterung für Los Angeles aber stolz auf ihrer Brust. Trotzdem konnte die “grundsolide Großbuchstabenträgerin” leider keinen Stich bei Hasenhalter Oliver landen.
04. Das Sommerhaus der Stars | Dass Helena Fürst auf der Suche nach Konfro ist, ist bereits seit dem Dschungel 2016 allgemein bekannt. Mit ihrem Ex-Latin-Lover Ennesto Monté zog sie dieses Jahr nun auch in “Das Sommerhaus der Stars” und sorgte dort für jede Menge Kasalla. Die Medienexpertin, die im Dschungel eine Umschulung zur Unterhaltungsfachfrau abgeschlossen hat, legt in gewohnt medienreflexiver Mannier die gesellschaftlichen Ansprüche an den modernen Mann frei. Während ihr Gatte beim Herzennageln sein Bestes gibt, legt sie den Finger in die Wunde männlicher Angst: “Kannst du noch mehr geben?”. Helena Fürst, Anwältin der Armen und Anklägerin der Geschlechterstereotypen.
05. Jungfrau sucht die große Liebe | Reminiszent für 2017: Die Transfrau Raphaela wird von fellow-virgin und Entjungverungsbewerber Dominik im Pool gegen ihren Willen begrabscht. Um die Situation zu besprechen werdet sie sich an die Dating-Coaches Maximilian Pütz und Micaela Schäfer. Das Mansplaining folgt zugleich: “Transsexualität ist genauso ein Thema wie für andere der Bierbauch.[…] Er [Dominic] meint es wahrscheinlich nicht böse und wollte dich nicht abwerten. Männer schießen da oftmals über das Ziel hinaus. […] Er machts ja, weil er dich scharf findet.” Diese “männliche Grundsituation, für die man ihn nicht verurteilen darf” ist am Abend aber wieder vergessen, als Raphaela und Dominic mit Sekt aus der Flasche auf einer Parkbank vorglühen. In diesem Sinne: Frohes Silvester!

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