In the Blood

Räume sind Träger von verschiedenster Erlebnispotentialen, Erinnerungen und Wünsche. Geographische sowie soziale Räume prägen unser Dasein und sagen uns, was wir in ihnen erwarten, träumen und fürchten können und müssen. In the Blood ist der Debütfilm von Rasmus Heisterberg und lässt seine Protagonisten genau durch diese Räume wandeln, in ihnen Glück und Tragiken erleben.

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Wir folgen einer Gruppe von Studenten, die sich zusammen eine Wohnung teilen. Zwei davon sind Medizinstudenten, die ihre Zeit im Krankenhaus und in der Universität zusammen verbringen und sie dadurch eine besondere Bindung, eine Freundschaft aufgebaut haben. Die beiden träumen von der anstehenden Utopie bald auf ein fernes Krankenhausschiff in Bolivien kommen zu dürfen, dem Alltag und den bekannten Personen für sechs Monate entfliehen zu können. Aber bis dahin dauert es noch einige Monate, die in dem Film erzählt werden. Auf Parties werden Frauen kennengelernt, in fremden Ländern und Städten werden Erfahrungen gemacht und Freundschaften und Beziehungen gehen zu Bruch oder erwachsen neu oder erneut aus Zufallsbegegnungen an alltagsfremden Orten. So dient Schweden als Zufluchtsort, um abseits des Lebens eine Beziehung sich entwickeln zu lassen, die zurück in der Heimat mit einigen Hindernissen kämpfen muss. Ein Wochenende in Berlin dient zur Festigung von Freundschaften und Ausschluss von Daheimgebliebenen. Die Universität und das WG-Leben ist kurzer Reflexionsort, kurze Pause. Das eigentliche Leben findet nicht auf der Arbeit oder im Studium statt, sondern in all den Andersräumen, in den Nächten, auf den Parties und in der Zweisamkeit.

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Rune (Esben Dalgaard Andersen), einer der zwei Medizinstudenten, hat mit der (sozial-) räumlichen Heterogenität zu kämpfen. Sein Leben definiert sich durch Zufallstreffer und -versäumnissen, durch ein Auf und Ab von Erfolgen und Misserfolgen. Er verliert den Zugang zu seinen Freunden, weil diese ohne ihn nach Berlin gefahren sind. Er lernt eine Frau auf einer Party kennen, hat in Schweden schöne Studenten mit ihr und verliert und gewinnt sie wieder im Tumult der Großstadt und seiner eigenen Gefühlswelt. Ein Gefühl der Ohnmächtigkeit, der Nichtmündigkeit seiner Selbst umgibt ihn und seine Beziehungen. Er fließt mit in einer Reihung von Erlebnissen, Orten und Gefühlen und nimmt den Zuschauer mit in einer so typischen Erfahrungswelt für einen Mittzwanzigern im Aufbau seines Lebens.

Kinostart: noch keinen

In the Blood, Dänemark 2016, 94′
Regie: Rasmus Heisterberg
Kamera: Niels Thastum
Darsteller: Esben Dalgaard Andersen, Julie Andresen, Aske Bang

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