„I`m fast – I am Yuri Esposito“

Langsam haben wir uns auf die Biennale di Venezia eingestellt, seeehr langsam, denn der 40jährige Protagonist unseres ersten Films ist an einer Art Polio erkrankt und bewegt sich mit nur einem Fünftel der menschlicher Geschwindigkeit.

01Yuri Esposito hat wie wir Zeit sich alles ganz genau anzusehen. Er ist erfolgreicher Restaurator und lebt glücklich mit seiner Frau zusammen, beide sind sehr liebevoll zueinander. Mit einem philosophischen Leichtmut scheint Yuri das Leben zu meistern. Alle Personen scheinen, trotz des sonderbaren Zustands glücklich und zufrieden zusammen zu leben, alles wirkt sehr elegant. Bis Yuri´s Frau ein Kind von ihm erwartet. Yuri fühlt sich der Aufgabe nicht gewachsen und beginnt eine Therapie beim Arzt seines Vertrauens, dem Vater seiner Frau. Die Therapie gelingt, der Film und Yuri verändern sich. Die normale, gehetzte Geschwindigkeit des modernen Lebens wird zum Maßstab.

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Die Handlung dreht sich fortan nicht mehr um das Phänomen der Langsamkeit sondern um die persönlichen Probleme die Yuri durch den Lebenswandel entwickelt. Selbstkonditionierung und Zweifel, Leistungswille, Sport- und Therapieverlauf nehmen ihren Lauf. Yuri stürzt sich in die Medikamentenabhängigkeit und der Film verwickelt sich in eine schon zu oft behandelte Thematik. Das gesamte innere Feld des Films verändert sich, man möchte die Probleme nach den ersten Erfolgen nicht mit ansehen. Leider auch deswegen, da ab hier nach den Lernprozessen von Yuri durch die jetzt zu erwartenden Rückschläge einige Längen entstehen.

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Dennoch kann der Film zum Schluss durch die Reflexion über die Vaterrolle Yuri´s und die Veränderung in der werdenden Kleinfamilie noch einmal punkten. Der Film schafft es meist passend eine angenehme Abwechslung im sonst so auf den Moment des Blicks konzentrierten Bild herzustellen.Es ist kein überragender Film, aber vieles funktioniert sehr angenehm: Gestik und Mimik der Personen wirken sehr authentisch im Bild platziert, weder Charaktere noch Motive sind übertrieben, Frauen, Männer, Kindheit, Krankheit, Arzt und Priester werden ausgeglichen dargestellt. Der Film endet ohne große Überraschung sehr versöhnlich.

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Filmfestspiele Venedig (Sektion: Biennale College Cinema)
Yuri Esposito, Italien 2013, 73‘
Regie: Alessio Fava
Besetzung: Matteo Lanfranchi, Beatrice Cevolani, Claudio Morganti

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