Ich war zuhause, aber…

Mit „Ich war zuhause, aber…“ hat Angela Schanelec einen Film gedreht, der viele Zuschauer*innen bei der Berlinale das Kopfschütteln lehrte und den Saal frühzeitig verlassen ließ. Einen Film, der oberflächlich so spröde ist, das erst die Retina und dann die Hirnhaut eintrocknet: Bild- und Inhaltswüste Schanelec – möchte man meinen. Denn „Ich war zuhause, aber…“ ist kein schlechter Film. Zunächst einmal ist es ein Film, in dem alles und nichts passiert. Alles, weil doch eigentlich der Sohn von Hauptcharakterin Astrid verschwunden ist und ganz zu Anfang wieder auftaucht. Das ist dann auch das „Aber…“ des Filmtitels. Es passiert eigentlich nichts, weil Astrids Umgang mit diesem Ereignis so verschlossen und verwirrend ist, wie der Film. Das „Aber“ und seine drei Punkte deuten daher auch auf die gähnende Leere. Denn gesprochen wird zunächst nicht viel. Und wenn gesprochen wird, dann so, dass man hofft, es höre bald wieder auf. Wenn Astrid sich ein Fahrrad aus einer Anzeige kauft und mit dem Verkäufer, dank Alltagsdialogen die sich ewig im Kreis drehen, auf keinen einsamen Nenner kommt, dann schweift der Blick und kann sich nicht einmal an interessanten Bildern festhängen. Diese sind so kalt und gefühllos wie Astrid oberflächlich wirkt.

Und dann gibt es diese Momente, die wissen lassen, dass Angela Schanelec keineswegs Amateurin ist und dass sie wirklich weiß was sie tut. Dann schaut der Film zurück, lässt Astrid ihr Verständnis von Kunst und Schauspielerei hinterfragen. Die kalte Oberfläche der Hauptcharakterin und des Filmes weichen tiefergehendem Verständnis. Wenn Astrid minutenlang in einem Monolog sinniert, dass Schauspielerei nur Lüge sei, dann ist das nicht nur das einfache Durchbrechen der vierten Wand, sondern auch ein Durchbruch zu Astrids Seelenwelt. Durch filmische Stilmittel schafft Schanelec auf der emotionalen Ebene so ein tiefes Mitverständnis, welches aus vollkommenem Unverständnis geboren wird. Das nicht-natürlich wirkende Schauspiel bekommt so Emotionen aufgeladen, die diesem Stilmittel doch sonst abgesprochen werden.

„Ich war zuhause, aber…“ entbehrt sich einer einfachen Rezeption. Er ist eine unterhaltsam-langweilige Geduldsübung. Und eine deutsche Plattenbauromantik, die wie eine spirituelle Reise an einem vorbeirauscht.

Regie: Angela Schanelec

Deutschland, 2019

105 min

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>