Ice Age – Kollision voraus!

Von Sabrina Schützenhofer

ice-age-5-2016Auch im fünften Teil des Animationsabenteuers jagt Rattenhörnchen Scrat seiner Nuss hinterher und löst dadurch ein erhebliches Chaos aus. Dieses Mal stößt Scrat zufällig auf ein im Eis eingefrorenes Raumschiff, was ihn in den Weltraum transportiert. Dort setzt der Nager eine schwerwiegende Kettenreaktion in Gang und bringt das gesamte Planetensystem aus dem Gleichgewicht. Seine Missgeschicke sorgen fortan dafür, dass die ganze Welt in Bedrohung geriet. Ein Meteorschauer war hierbei nur der Anfang der durch Scrat ausgelösten Ereignisse: Ein riesiger Meteorit rast auf die Erde zu und droht diese zu vernichten.

Bereits die Eröffnungsszene in Ice Age – Kollision voraus! kündigt die wachsende Bedeutung der Figur Scrat an. Nach Ice Age (2002), Ice Age 2 – Jetzt taut’s (2006), Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los (2009) und Ice Age 4 – Voll verschoben (2012) kommt das ungeschickte Rattenhörnchen im fünften Teil deutlich häufiger vor als in den vorangegangenen Filmen. Hatte das kleine Tier anfänglich nur vereinzelte und kurze Auftritte, stieg es von Film zu Film zu einer Faszination auf und wurde zum eigentlichen Helden der Eiszeitsaga. Und dass, obwohl – oder vielleicht gerade: weil – es nicht spricht. Regisseur Mike Thurmeier, der bereits aus dem dritten und vierten Teil von Ice Age bekannt ist, schenkt dem Rattenhörnchen in Teil 5 eine Extraportion Aufmerksamkeit und schafft es, die immerwährende Suche nach der Nuss und den hilflosen gar tollpatschigen Versuch, diese zu festzuhalten und zu verstecken in äußerst amüsanten Szenen zu präsentieren.

Die Ereignisse auf der Erde erscheinen hingegen ein wenig eingeschlafen: Mammut Manny vergisst seinen Hochzeitstag und ist eifersüchtig auf Julien, den Verehrer seiner Tochter Peaches. Faultier Sid ist auf der Suche nach einer Partnerin und Säbelzahntiger Diego wünscht sich Nachwuchs mit seiner Shira. Durch den von Scrat verursachten Meteorschauer beginnt die Gruppe mit der Suche nach einer Möglichkeit, das Unheil abzuwenden. Von diesem Punkt an kommt einem die Geschichte aus den anderen vier Filmen bekannt vor: Die Gruppe wandert irgendwo hin und trifft dort auf eine Situation, die sie irgendwie lösen müssen. Bewegung stellt sich auch im neuen und fünften Teil des Abenteuers als zentrales Motiv heraus. Durch diesen üblichen Fortgang der Story wirkt Ice Age – Kollison voraus! häufig gezwungen, wie ein Abklatsch der vorherigen Teile – die Geschichte zeigt erste erzählerische Ermüdungserscheinungen.

Die Figuren, allen voran die drei Protagonisten Manny, Sid und Diego, sind jedoch nach wie vor charmant. Nicht nur sie haben sich im Laufe der Filmreihe weiterentwickelt, die gesamte Gruppe der Tiere ist von Film zu Film gewachsen: Manny hat Frau Elli, Tochter Peaches und inzwischen auch Schwiegersohn Julien, Diego ist mit Shira liiert, Sid findet die attraktive Faultierdame Brooke, hinzu kommen noch die beiden Opossums, Sid’s Oma und das bereits aus dem dritten Teil bekannte einäugige Wiesel Buck. Im fünften Teil der 3D-Animationskomödie ist die Gruppe bereits so groß geworden, dass man ohne Wissen über die vorherigen Teile vermutlich Probleme mit der Einordnung hat. Die Geschehnisse wirken oft wild zusammengemixt – beinahe so, als würde Regisseur Thurmeier versuchen, die erzählerischen Schwachpunkte zu verbergen. Die Vielzahl der auftretenden Nebenfiguren macht diese Schwachstelle nicht besser.

Doch zurück zu Scrat: Auch die Szenen, in denen der Nussliebhaber oberhektisch im Weltall agiert, sind kaum in die Gesamthandlung integriert. Da das Rattenhörnchen mehr Leinwandzeit erhält als zuvor, kommt besonders im fünften Teil kein überzeugender Erzählfluss zustande. Kurz gesagt: Es fehlt ein erzählerischer Zusammenhalt. Die Integration einer Vielzahl neuer, hektisch wuselnder Nebenfiguren, hätte Thurmeier durch eine radikale Fortführung des Animationsabenteuers umgehen können: 90 Minuten Scrat.

Ice Age – Kollision voraus! (OT: Ice Age: Collision Course), USA 2016, 94′
Regie: Mike Thurmeier
Drehbuch: Michael J. Wilson, Michael Berg, Yoni Brenner
Synchronstimmen (deutsche Fassung): Thomas Nero Wolff, Otto Waalkes, Thomas Fritsch, Torge Oelrich
Verleih: Fox Deutschland
Kinostart: 30.06.2016 (alle Bildrechte bei Verleih und Produktion)

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