HomeSick

Jessica Klug (Esther Maria Pietsch) ist eine ehrgeizige Cello-Studentin. Zusammen mit ihrem Freund, dem jungen Physiotherapeuten Lorenz Amann (Matthias Lier), zieht sie in die erste gemeinsame Wohnung in Berlin. Das junge Paar freut sich über ihr neues Zuhause und blickt positiv in die Zukunft. Als Jessica die Einladung erhält, Deutschland beim prestigeträchtigen Musikwettbewerb “Young Classix Award” in Moskau zu vertreten, ist für sie die Chance da, mit ihrer Musik erfolgreich zu werden. Für die junge Chellistin bedeutet der anstehende Wettbewerb aber auch einen enormen Druck und sie übt unermüdlich dafür, ihren Traum zu verwirklichen.

Jessica arbeitet ehrgeizig an ihrem großen Ziel.

Jessica arbeitet ehrgeizig an ihrem großen Ziel.

Verschärft wird die Situation durch das neue Lebensumfeld von Jessica und Lorenz. In dem Haus lebt nämlich das ältere Ehepaar Domweber, das sich durch die neuen Nachbarn gestört zu fühlen scheint. Sie sind zwar zu Jessica und Lorenz sehr freundlich, machen jedoch den Neuen im Haus durch ihr Auftreten unmissverständlich klar, wer das Sagen hat. Als besonders auffällig empfindet Jessica das Verhalten von Hilde Domweber (Tatja Seibt). Von ihr fühlt sie sich ständig beobachtet.

Jessica fühlt sich beobachtet von ihrer Nachbarin Frau Domweber.

Jessica fühlt sich beobachtet von ihrer Nachbarin Frau Domweber.

Tagsüber ist Jessica alleine zu Hause und bereitet sich auf den für sie so wichtigen Musik-Wettbewerb in Moskau vor, während Lorenz arbeitet. Zunehmend sieht sie sich im Haus mit mysteriösen Ereignissen und Schikanen konfrontiert. Für die Studentin kann nur das Ehepaar Domweber dafür verantwortlich sein. Der zunehmende Druck wirkt sich immer mehr auf Jessicas Proben und auch auf das junge Glück mit ihrem Freund Lorenz aus…

Das Misstrauen schleicht sich auch in die Beziehung zwischen Jessica und ihrem Freund Lorenz.

Das Misstrauen schleicht sich auch in die Beziehung zwischen Jessica und ihrem Freund Lorenz.

Nach seinem abendfüllenden Abschlussfilm “Heile Welt” (2007) an der Münchener Filmhochschule, ist HomeSick der zweite Kinofilm von Jakob M. Erwa. Zum ersten Mal tritt der 1981 in Graz (Österreich) geborene Regisseur und Drehbuchautor hier auch als Produzent eines Langfilms in Erscheinung. HomeSick wurde als unabhängige Produktion durch Crowdfunding und freie Sponsoren finanziert und erhielt Förderungen vom Land Steiermark und der Stadt Graz. Von dem Gesamtbudget in Höhe von 53.000 Euro sind 12.000 Euro durch das Crowdfunding zusammengekommen. Der Film feierte seine Premiere auf der 65. Berlinale in der Sektion “Perspektive Deutsches Kino” und zeigt, dass auch unabhängige deutsche Produktionen mit einem geringen Budget ein großes Potential haben können.

Jessica fühlt sich unverstanden und einsam.

Jessica fühlt sich unverstanden und einsam.

Ästhetisch gesehen ist HomeSick ein eher ruhiger Film. Christian Trieloff hat für seine Kameraarbeit häufig statische und recht lange Einstellungen gewählt, die die beklemmende, einsame und ungewisse Stimmung, die Jessica ausgesetzt ist, sehr gut transportieren. Mit einfachen filmischen Mitteln verstehen es Christian Trieloff und Jakob M. Erwa eine unglaublich dichte Atmosphäre zu erzeugen. HomeSick ist ein Psychodrama, das sich im Verlauf immer mehr zu einem Psychothriller entwickelt. Im Kombination mit sehr glaubwürdigen Figuren und der tollen Leistung der Schauspieler, ist so ein Film entstanden, der den Zuschauer bis zum überraschenden Ende hin fesselt und auch noch lange nach dem Kinobesuch zum Nachdenken anregt. Denn in die Situation des jungen Paares und den hohen Leistungsdruck, den Jessica verspürt, können sich wohl viele von uns gut hineinversetzen.

 

HomeSick
Deutschland 2015, 98′
Genre: Psychodrama, Psychogramm, Psychothriller
Regie/Drehbuch/Produktion: Jakob M. Erwa
Kamera: Christian Trieloff
Schnitt: Wiebke Henrich
Szenenbild: Stefanie Uebelhoer
mit Esther Maria Pietsch, Tatja Seibt, Matthias Lier, Hermann Beyer
Verleih: DARLING BERLIN, Kinostart: 15.10.2015

Alles Bilder © mojo:pictures / Christian Trieloff

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