Sendetermine der ARD : Citizen Four

Citizenfour_posterCitizen Four – 114‘, USA/D 2014.

Das ganze Thema, so komplex und trotz unzähligen Artikeln, Nachrichtenschnipseln, Überlegungen und der letzten verpassten Kinovorstellung kaum zu durchdringen.

Am Esstisch bei Bekannten entstand aus „Threema“ und „Whatsapp“, die planlose Diskussion über Snowden und Co. Irgendwann schlich sich wütender Unmut darüber ein, nicht alles und vor allem, die eigenen kleinen Erkenntnisse und Entscheidungen kaum nachvollziehbar machen zu können. Man hat sich doch bis hierhin aufgeopfert und so viel darüber gelesen – was für ein Ärger!

Messer hingeknallt, der Griff zu Youtube -irgendwie passt der Laptop neben den Teller- John Oliver erklärt Edward anhand von „Dick-Pics“, zu deutsch „Schwanz-Bilder“, weshalb so viele Diskussionen im Sand verlaufen. Darüber hinaus verfügen die Bekannten über einen Netflix Account. Meine Eltern haben keinen.

Citizen Four bringt mir den persönlichen Bezug den ich wollte, ja. Mit den Großen zusammen im Hotelzimmer sitzen. Wie Glenn Greenwald es dort sagt, die Leute wollen Gesichter, Namen und eine persönliche Story. Und ich wollte sogar Fan sein – persönlich illusorische Wichtigkeit. Seit kurzem habe ich Twitter, Snowden auch.

Auch wenn Citizen Four damit spielt nur wenige Details über Edwards Lebensentscheidung zu vermitteln und eher die wichtigsten Eckpunkte der damals anstehenden Enthüllungen wiederkehrend skizziert werden, bekomme ich genau das mit weshalb sich Edward an Journalisten und an Laura Poitras gewendet hat:
Massenverständlich verbreitete Informationen.

snowden-citizenfourDieser Grund reicht mir aus, um die Beweggründe Snowdens zu verstehen. Danach verbindet sich mein Informationsdurst, die Sensationslust und die Dramaturgie der Dokumentation zu Mitgefühl. Obwohl der Film stellenweise wie ein Kammerspiel wirkt, drängt sich mit zunehmender Medienwirksamkeit der Enthüllung, die Furcht in das Hotelzimmer in dem wir noch immer sitzen, dass die Tür plötzlich aufgebrochen wird und dass der Traum endet, aus dem Edward noch erfolgreich fliehen sollte.
Meiner Schwester, die kaum Zeit hat, hinterlasse ich nur die Kurznachricht „Benutze jetzt ‚Signal‘ wie Edward – Mobile Daten immer an – abschalten obsolet, GSM Ortung“.
Das Ganze wirkt wie wahrscheinlich für jeden so ungreifbar, weit weg, eben erst und immer noch im Geschehen. Die scheinbare Aktualität, wie durch ein Mindesthaltbarkeitsdatum der Film-Premiere vom 10.Oktober 2014, abgelaufen. Um selbst von jetzt an dazu verdammt zu sein, lohnenswerte sekundär Quellen zu suchen, die das ganze Interesse an dem Coup bedienen. Z.B. dieses.

Trotzdem bin ich mir irgendwann sicher, auch Edward hat verstanden, dass ich einfache Bilder brauche, die sich weiterschicken lassen. Es war wohl doch nicht zu spät Citizen Four zu sehen.

Sendetermine der ARD:

Mo 23.11.2015 – 23:00 Uhr
Fr 27.11.2015 – 21:02 Uhr
Mo 28.12.2015 – 20:15

 

Titel: Citizen Four – 114‘, USA/D 2014.

Regie: Laura Poitras

Akteure: Edward Snowden, Jacob Appelbaum, Julian Assange, William Binney, Glenn Greenwald

Produktion: Laura Poitras, Dirk Wilutzky, Mathilde Bonnefoy, Steven Soderbergh
Kamera: Laura Poitras, Kirsten Johnson, Katy Scoggin,Trevor Paglen
Schnitt: Mathilde Bonnefoy

Nominierungen: Diverse, ein Oscar.

Erstaufführung: 10. Oktober 2014

 

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