Heroes of Evil

Die Bezeichnung als “Symphonie der Gewalt” beschreibt wohl am Besten das schockierend mitreißende Spielfilmdebut The Heroes of Evil des spanischen Regisseurs und Drehbuchautors Zoe Berriatúa, da die orchestrale Filmmusik die Darstellung des Exzessiven nicht nur unterstreicht, sondern ebenfalls als Motiv, den Kampf um Anerkennung innerhalb der Gruppe von Heranwachsenden verdeutlicht.
heroes of evil Bereits in der ersten Szene zeigt sich, welchen Stellenwert der Ton in dem Film einnimmt, da die Schüler, die an ihrem ersten Schultag den Klassenraum betreten, durch die Musik stigmatisiert werden. Mädchen, die tänzelnd ihren Platz einnehmen, werden durch feine Violinenklänge begleitet und Jungen, die offenbar den Ton in der Gemeinschaft der Klasse angeben, durch grobe und alles überdeckende Paukenschläge eingeführt, dessen Bewegungen nicht inszeniert, sondern vielmehr komponiert wirken. „Am ersten Tag werden die Rollen verteilt“, sagt der Neuling Aritz (Jorge Clemente) und meint damit, nicht als Opfer enden zu wollen, sondern eine “höhere” Position einzunehmen, indem er zu denen gehört, die andere unterdrücken. Die freundschaftliche Verbindung zu Esteban (Emilio Palacios) und Sarita (Beatriz Sánchez Medina), lässt die drei Jugendlichen als „Heroes of Evil“ in einem Sog aus exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum, Diebstahl und pausenloser Gewalt versinken, aus dem sich am Ende des Films nicht alle befreien können.
Die Suche nach Anerkennung, Liebe und das Erleben von bitterer Eifersucht, sind klassische Elemente einer coming-of-age Geschichte, die auch dieser Film behandelt. Auf tragische aber dennoch erfrischende Weise nimmt Heroes of Evil jedoch Abstand davon, stereotype Beweggründe für das aggressive Verhalten der Jugendlichen herauszuarbeiten. So ist es nicht das Elternhaus, das durch Vernachlässigung für die Taten verantwortlich ist, sondern vielmehr ihr tiefverankerter Charakter, der sie wie durch einen Dirigenten fremdgeleitet wirken lässt.

Reihe: Wettbewerb »Der Heinrich«
weitere Termine auf dem Filmfest: 6.11. 18:45, 7.11. 20:45
The Heroes of Evil, Spanien 2015, 98´
Regie/Buch: Zoe Berriatúa
Sound: Alex Carrasco
Darsteller: Jorge Clemente, Emilio Palacios, Beatriz Sánchez Medina
Verleih: La Bestia Produce, Pokeepsie Films, Nadie es Perfecto

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