Hedi Schneider steckt fest

Hedi Schneider (Laura Tonke) steckt fest. Zu Beginn des Films ist es ein Aufzug, weswegen sie dann auch zu spät zur Arbeit kommt. Aber das ist nicht das Problem, denn schon bald verfällt sie einer Angststörung. Und dort steckt sie nicht allein, denn sie zieht ihren Mann (Hans Löw) und ihr Kind mit hinein, da sie lieber starke Tranquilizer nimmt, als professionelle Hilfe zu suchen. Hedi verbarrikadiert sich in ihrer Wohnung, wickelt sich ein in einen Kokon aus Selbsttäuschung und Anschuldigungen, der dem Baugerüst gleicht, das auch das Mietshaus plötzlich umzieht. 

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Der Film lässt sich jedoch zum Glück nicht fallen und schafft es, gekonnt die dramatischen Aspekte mit komödiantischen auszubalancieren und andersherum. Besonderen Anteil daran hat das Spiel der Darsteller und die unbeschwerte Regie (Sonja Heiss). Die Dialoge wirken häufig improvisiert, verzetteln sich dabei jedoch nicht und die Szenen lassen der Geschichte Raum zum Atmen – Raum, der Hedi meist fehlt. Das ist allerdings nicht den ganzen Film über so. Der Anfang wirkt wie eine Fernseh-Komödie, bei der Lacher aus den nervösen Zuckungen von Bürokollegen generiert werden. Auch der Musik hätte mehr Ausbalancierung gut getan, allzu oft soll sie wohl nur die Störung der Hauptdarstellerin auch auf das Publikum übertragen. Dabei ist das gar nicht notwendig. Denn Hedi Schneider ist kein Betroffenheitsfilm, kein Film, der das  Thema der Krankheit ins Bewusstsein bringen möchte (was durchaus notwendig ist); es wirkt viel mehr so, als ob die Regisseurin Sonja Heiss eine interessante Geschichte mit originellen Charakteren erzählen möchte, von denen einer eben plötzlich krank wird. Und das ist für die Krankheit selbst letztendlich vielleicht sogar hilfreicher.

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Hedi Schneider steckt fest, D/NOR 2015, 92 Min
R&B: Sonja Heiss
P: Maren Ade
mit Laura Tonke, Hans Löw
im Verleih von Pandora Film, Kinostart: 7.5.2015

2 Responses to “Hedi Schneider steckt fest”

  1. Sonja Heiss

    Lieber Florian Krautkrämer, ich kommentiere nur wegen eines
    eklatanten Irrtums in Ihrem Text. Hedi Schneider hat keine Psychose. Ich habe auch noch nie von einer Angstpsychose gehört. Es ist sehr wichtig, dass man psychische Erkrankungen und Störungen nicht alle in einen Topf wirft. Insbesondere für Betroffene. Zudem fördert ein deartiger Umgang mit den Begriffen Vorurteile. Eine Angst- und Panikstörung ist eine neurotische Störung / Erkrankung. Eine Psychose ist etwas ganz anderes. Beispielsweise Schizophrenie, eine bipolare Störung, oder aber substanzinduzierte Psychosen. Eine Angststörung hat wirklich überhaupt nichts mit einer Psychose zu tun!

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