Harry Potter – vom Zauberschüler zum Ghostwhisperer

Mit „The Woman in Black“ melden sich die Hammer-Studios im Kinogeschäft zurück. Nach jahrelanger Pause und nur einigen wenigen Koproduktionen in den letzten Jahren, bringen sie nun wieder einen völlig eigenständigen Film auf den Kinomarkt. Die Hammer-Studios sind bekannt für ihre Horror- oder Science-Fiction-Filme, haben zahlreiche Filmklassiker gedreht und heutige Filmgrößen wie Christopher Lee oder Peter Cushing hervorgebracht.

Im Zeitalter des digitalen Kinos und einem Publikum, das Filme wie Saw, Paranormal Activties, Insidious, etc. gewöhnt ist, verwundert es doch, wie klassisch und nostalgisch „The Woman in Black“ wirkt.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Sie spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) hat vor einigen Jahren seine Frau bei der Geburt ihres Kindes verloren und leidet noch immer unter dem Verlust. Die letzten Aufträge seiner Kanzlei, in der er arbeitet, hat er verpatzt und wird, wenn er den kommenden Auftrag ebenfalls nicht erfolgreich abwickelt, gefeuert. Kipps soll dazu in einem abgelegenen Dorf den Nachlass von Mrs. Drablow des Eel Marsh House klären. Ein Haus, das seit Jahren von den Dorfbewohnern gemieden wird, aufgrund der mysteriösen Geschehnisse. Die „Frau in Schwarz“ soll dort ihr Unwesen treiben und von jedem, der sie gesehen hat, die Kinder in den Selbstmord treiben. Kipps kommt hinter das dunkle Geheimnis der Familie und versucht dem Mysterium ein Ende zu setzen.

Ganz im Stile der Hammer-Tradition wird hier der Schauplatz in den Fokus gerückt: eine verlassene Insel, ein heruntergekommenes altes Haus, überwuchert und umgeben von Nebel. Keine Sonne, nur dunkle, teilweise verregnete Tage und düstere Räume, die durch wenig Kerzenlicht erleuchtet werden. Dies wirkt alles sehr atmosphärisch und birgt ein großes Potential in sich. James Watkins beweist eine große Liebe zum Detail, was sich beispielsweise in der Szene widerspiegelt, in der Kipps mit Kerzenlicht in einen der Räume geht und auf zahlreiche Spielzeuge trifft. Das Kerzenlicht spiegelt sich so perfekt in den Augen der Spielzeuge, als würden sie zum Leben erweckt werden.

Zudem ist positiv hervorzuheben, dass es kaum CGI-Effekte im Film gibt und er nur auf seine atmosphärische Wirkung setzt. Ebenso das Spiel mit den Sehgewohnheiten: es wird auf eine Ebene des Verschwommenen und Schattenhaften reduziert. Man weiß nie so recht, was man gerade gesehen hat und bleibt im unklaren. Das Ende war demnach sehr konsequent.

Jedoch muss ich persönlich gestehen, dass ich mich dem positiven Tenor bezüglich des Films nicht anschließen kann. Sicherlich war der Film gut gemacht und knüpft an klassische Horrorfilm-Muster an. Aber mehr eben auch nicht. Die Ereignisse im Haus sind zu vorhersehbar: so arbeitet Kipps beispielsweise im Erdgeschoss Papiere durch und hört plötzlich in der ersten Etage ein Geräusch, welchem er nachgeht. Quietschende Dielenböden; schemenhafte Gestalten, die im einen Moment da sind und im nächsten verschwunden; Musik, die zu stark auf die Schockmomente hinweist. Der Film hat viel Potential, hätte aber wesentlich mehr aus sich machen können und vor allem noch mehr mit dem Ungewissen spielen können.

Für mich war es mehr ein Drama über Menschen, die mit dem Verlust von engen Familienmitgliedern und den Folgen zu kämpfen haben.

The Woman in Black, Großbritannien 2012, 95′
Regie: James Watkins
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Roger Allam

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