Happiness Avenue

Sektion: Forum / Regie: Katsuyuki Hirano / JP 1986 / 86‘201603744_1_IMG_FIX_700x700Sion Sono rennt lauthals kreischend durch die Straßen der japanischen Kleinstadt Shizuoka und stört den konservativen Frieden. An seiner Seite ein Ensemble an Schwulen in Frauenkleidern und anderen an den Rand gedrängten. Die Konsequenz dieser politischen Kollektivierung sind 90 Minuten pure Anarchie, ein dauernervöses, zerwackeltes, wunderbar queeres Manifest und hochaggressive Performance, in der Rechte schon zu Beginn aus dem Film gebrüllt werden und das körnige 8-mm-Material in seiner Zerschlissenheit die Restaurationsbedürftigkeit einer harthandgeführten Gesellschaft versinnbildlicht. Lautstark fordert dies ein mit Megafon bewaffneter Mann am Steuer eines falschen Recycling-LKWs.

Interessanterweise scheint der Film dort zu beginnen, wo Sogo Ishiis Isolation of 1/880.000 (JP, 1986) aufhört: Nachdem der gehbehinderte, sozial völlig isolierte, von Pornoheftchen und verbotenen Blicken besessene Teramitsu nach mehrmaligem Versagen in einem Hochschul-Aufnahmetest und nervenvernichtenden Lernarien endgültig rot sieht (im Film markiert durch eine Ampel, die auf Rot springt), flippt er in einer U-bahn aus. Das Zelebrieren von ausflippenden Zurechtgerückten, die sich in Happiness Avenue wieder entrücken und dies in einer Kanalisation in ein Taufritual überführen, war für mich eines der schönsten Kinoerlebnisse der diesjährigen Berlinale.

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