Hannas Reise


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Eine deutsche, karrieregeile Studentin muss in Israel behinderte Kinder betreuen, um für ihre Bewerbung bei einer Unternehmensberatung soziales Engagement zu sammeln. Dort verliebt sie sich in einen Kollegen, beschäftigt sich mit ihrer Familiengeschichte, verwandelt sich in einen empathischen Menschen und überdenkt ihren auf beruflichen Erfolg ausgerichteten Lebensentwurf. Warum nur darf die arme Hanna (Karoline Schuch) nicht einfach bleiben wie sie ist? So verliert sich Hannas Reise von Julia von Heinz im Drang zum zwanghaft Positiven.

Dabei hat der Film durchaus seine Stärken. Viele Begebenheiten und Situationen sind detailreich beobachtet, die Dialoge bissig und der Zynismus von Hanna erfrischend. “Was mit Behinderten kommt halt immer gut – und behinderte Juden zählen doppelt” erklärt sie ihrem glattgeleckten Karrierefreund in der glattgeleckten Karrierewohnung, die beide die Persönlichkeit und Ausstrahlungskraft einer Jahreshauptversammlung der Steuerberater haben. Ihre chaotische Wohngemeinschaft eines Vereins “Friedensdienst” bezeichnet sie verächtlich als “Wiedergutmachungsdeutsche” und tatsächlich ist man nur froh über Hannas Ehrlichkeit. Denn während sie keinen Hehl aus den Gründen ihres Aufenthaltes macht, verstecken ihre Mitbewohner die Hoffnung, durch den “Friedensdienst” an eine lukrative Stelle bei Papa in der Friedrich-Ebert-Stiftung zu kommen, hinter Altruismus und antizionistischer Rabulistik.

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Das Spiel mit den Klischees funktioniert da am besten, wo diese durch den Film überspitzt werden. Das geschieht nur am Anfang und zusehends verliert sich Hannas Reise selbst darin. Ob die unvermeidliche 68er Mutter, der südländische Verführer oder die eigene Familiengeschichte, mit der Verwandlung Hannas verliert der Film auch den einzig interessanten Aspekt.

 

Hannas Reise, DE/IL 2014, 100’
Regie: Julia von Heinz
Drehbuch: Julia von Heinz, John Quester
Produzenten: Harry Flöter, Jörg Siepmann
Kamera: Daniela Knapp
Schnitt: Florian Miosge
Musik: Matthias Petsche
Besetzung: Max Mauff, Karoline Schuch, Lore Richter, Trystan Pütter, Doron Amit
Verleih: Zorro
Kinostart: 23.01.2014

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