H.

Helena [Ἑλένη (Helénē)]: die Sonnenhafte, die Strahlende, die Schöne.

Helen ist alt und gebrechlich. Ihr Knie schmerzt, ihr Mann schnarcht. Sie trägt ein Baby bei sich. Sie hat es aus einem Karton. Es ist eine Puppe.

Helen ist jung und kreativ. Sie ist Künstlerin, ihr Freund ebenso. Sie ist schwanger, dann nicht mehr, dann doch wieder.

H. überkreuzt in seinem episodischen Aufbau die Geschichten zweier Frauen. Beide heißen sie Helen. Beide wohnen sie in der Stadt Troy. Beide sind sie Mütter, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Ein Meteoriteneinschlag und dessen mysteriöse Folgeerscheinungen bilden nun den Knotenpunk dieses narrativen Gitters. Er kratzt an ihrer Mutterschaft, an ihrer Ehe, an ihrer Vitalität und Identität. Angehäuft um viele Motive an den Schnittstellen zwischen Mythologie und Mysterie fügen sich diese Elemente ästhetisch in stimmungsvolle und in graue Schleier gehüllte Szenerien zusammen. Der strukturelle Impuls hingegen, eine zeitgenössische Aufarbeitung des Mythen-Narrativs zu leisten, wird spätestens in den letzten Filmminuten gänzlich untergraben. Rania Attieh und Daniel Garcia lassen über die gesamte Laufzeit hinweg Erzählfäden immer wieder fallen, kausale Zusammenhänge verunklaren und Leerstellen entstehen, besonders elaboriert dabei innerhalb des filmischen Bilds selbst, welches zeitweise hinter eine technische Pixelstruktur zurücktritt. Umso verwunderlicher ist es deshalb, weswegen die beiden zentralen Kraftlinien der Erzählung abschließend explizit in einem kitschigen Tableau zusammengeführt werden mussten. Denn so schließt sich der Rahmen, die Geschichte ist vorbei. Alle Unklarheiten sind belanglos. Was zählt ist nur eins: Helen ist Helen und Helen ist tot.

H., AR / USA 2015, 97’
R: Rania Attieh, Daniel Garcia
Sektion: Forum; weitere Termine am 13.2 und 14.2

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