Grace of Monaco

Von Christina Degener

grace1Ein Leben wie im Märchen? Oscarpreisträgerin Grace Kelly verlässt die Traumfabrik Hollywood um Fürst Rainier von Monaco zu heiraten. Anstatt nur Filmprinzessin zu bleiben wird sie tatsächlich zur Monarchin. Dass diese Mär allerdings auch ihre Schattenseiten hat, dürfte außer Frage stehen.

Monaco, Anfang der Sechziger Jahre. Grace Kelly lebt bereits einige Jahre in Monaco, hat sich aber am Fürstenhof noch nicht richtig eingefunden. Präsident Charles de Gaulle will Monaco besteuern und die Steuern nach Frankreich fließen lassen, dazu droht er sogar mit einem Wirtschaftsboykott gegen das Fürstentum. Während ihr Mann um die Unabhängigkeit seines Landes kämpft, ringt Fürstin Gracia Patricia mit ihrer neuen Rolle. Als sie dann auch noch ein Filmangebot von Alfred Hitchcock für seinen neuen Film Marnie erhält, zweifelt sie immer mehr an der Richtigkeit ihrer Entscheidung gegen die Schauspielerei und für ihre Ehe mit Rainier.

In vielen Gesprächen mit Kaplan Francis Tucker (Frank Langella) entscheidet sie sich schließlich für die Rolle ihres Lebens und gegen ein Hollywood-Comeback. Ihrem Entschluss folgt ganz klassisch ein Lernprozess in dessen Verlauf sie zur vorbildhaften Fürstin heranwächst. Kurioserweise scheint dieser kompliziert anmutende Weg für sie keinerlei Schwierigkeiten bereit zu halten. Vielmehr ist sie allen Widrigkeiten gewachsen und wird so zum geforderten „Ideal“ einer Fürstin, Ehefrau und Mutter. Besonders unglaubwürdig wird es dann zum Ende. Mit einer zugegebenermaßen ergreifenden Rede über die Macht der Liebe löst sie allein den Konflikt zwischen Monaco und Frankreich, während alle politischen Entscheidungen und Pläne zuvor gescheitert waren.
Grace2Wer mit Grace of Monaco ein Biopic über die bekannte Fürstin von Monaco erwartet hat, wird vermutlich enttäuscht werden. Lediglich die Jahre 1961/1962 ihres Lebens werden thematisiert und auch hier fehlt es an Tiefe. Im Grunde schien es Regisseur Olivier Dahan nur darum zu gehen, die Person Grace Kelly besonders glorifizierend, ja fast gottähnlich zu präsentieren. Den ganzen Film über agiert sie als einzig wichtige Person, alle anderen Figuren bleiben im besten Fall Statisten. Der innere Konflikt der Fürstin und ihre Suche nach sich selbst ist zwar Hauptthema des Films, doch trotz zahlreicher und langer Großaufnahmen vom Gesicht der Fürstin werden im selbigen keinerlei Emotionen sichtbar, was unter anderem am Botox-erstarrten Gesicht von Nicole Kidman liegen mag.

grace3Alles in allem zeichnet sich der Film hauptsächlich durch gestalterisch wunderschöne Landschaftsaufnahmen aus und enttäuscht mit einer extrem platten Geschichte, die nicht hinter die Fassade zu blicken vermag, auch wenn dies vielleicht der Anspruch hätte sein können. Als Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Cannes eignet er sich allerdings bestens, da dies der Ort ist an dem die vermeintlich märchenhafte Geschichte von Grace Kelly und Fürst Rainier im Jahr 1956 ihren Anfang nahm.

Grace of Monaco, Frankreich/USA/Belgien/Italien 2014, 102′
Regie: Olivier Dahan
Drehbuch: Arash Amel
Kamera: Eric Gautier
Darsteller: Nicole Kidman, Tim Roth, Frank Langella, Paz Vega
Verleih: SquareOne Entertainment/Universum Film

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