Gold

Genrefilme, also Western, Krimis, Zombiefilme oder romantische Komödien, kann man grob in zwei Bereiche unterteilen: in die Beiträge zum Genre und die Filme über das Genre. Erstere machen das Genre überhaupt erst aus und etablieren den Rahmen mittels Wiederholungen und Abweichungen, die, wenn sie von nachfolgenden Filmen wiederholt werden, dann zum Korpus des Genres gehören. Letztere sind deutlich seltener und schwieriger zu machen. Sie sind natürlich auch im Genre angesiedelt, treiben dies aber in mehrerlei Hinsicht an seine Grenzen und reflektieren gleichzeitig über das Genre an sich.

Was den Western angeht, gibt es seit einigen Jahren erfreulicherweise immer wieder den ein oder anderen Beitrag dazu, der es sogar ins Kino schafft. Und nun kommt sogar einer aus Deutschland, wo sich Filmemacher und Produzenten mit dem Genre eher schwer tun, wenn man mal von der Komödie absieht. Was Thomas Arslan angeht, der Gold gedreht hat, ist dies nun nach dem Krimi Im Schatten (2010) sein zweiter Genrefilm. Arslan gehört zur sogenannten „Berliner Schule“ und hatte bis dahin Filme gedreht, die man gemeinhin als „Autorenfilm“ bezeichnet, eigentlich kein Genre, sondern eher eine Art, Filme zu drehen. (Und hat dabei einen der nach wie vor schönsten deutschen Filme der letzten Jahre gedreht, Der schöne Tag (2001), der meiner Meinung nach erst in diesem Jahr von Ramon Zürchers Das merkwürdige Kätzchen auf der Berlinale eingeholt wurde, doch dazu demnächst hier mehr.)

In Gold reist Ende des 19. Jahrhunderts eine Gruppe Deutscher zu kürzlich entdeckten Goldfeldern. Sie mieten sich einen Anführer (Peter Kurth), der angeblich weiß, wo es lang geht, und der sie auf einer ungewöhnlichen, aber dafür auch ungefährlicheren Route ans Ziel bringen möchte – schließlich sind die drei zahlenden Teilnehmer extrem unerfahren: eine Frau (Nina Hoss), ein verzweifelter Familienvater (Lars Rudolph) und ein Journalist, der über die Erfahrungen schreiben möchte (Uwe Bohm). Natürlich klappt nichts wie geplant, der Weg ist mit Planwagen nicht passierbar, Proviant wird knapp, man zweifelt an der Landkarte.

Klar, diese Beschreibung erinnert an einen der letzten Metafilme zum Genre, Kelly Reichardts Meek’s Cutoff (2010), in dem sich eine Gruppe Auswanderer ebenfalls einem zwielichtigen Führer anvertraut, der sie ins Niemandsland führt. Reichardt erweiterte die Grenzen: der Film war in 4:3 fotografiert, für den (neueren) Western eigentlich untypisch, der ja sonst die Landschaft als heimliche Protagonistin mit dabei hat. Eine Landschaft, die bei Reichardt so gleichbleibend unbeeindruckbar bleibt, dass man über die Inszenierung von Weite neu nachdenken musste und die Konzentration auf den Track und seine Probleme gelenkt wurde. Was nicht immer einfach war, wenn die Lagerfeuerszenen beispielsweise ohne zusätzliches Licht gedreht wurden und die Leinwand minutenlang fast schwarz bleibt. Gold erinnert durch die Musik von Dylan Carlson und das Gerede vom Ende der Welt an einen anderen Metafilm, Dead Man von Jim Jarmusch (1995), bleibt aber ein lupenreiner Genrebeitrag. Fotografiert von Patrick Orth in CinemaScope zeigt er in golden leuchtenden Landschaften die Strapazen der Gruppe und dass die, die über die größte moralische Stärke verfügen und moralisch am integersten sind, die größten Chancen haben, zu überleben. Und die Bösewichte erkennt man am schwarzen Hut.

Aber auch das ist Genre: dass man es einfach so macht, wie man es schon hundertmal gesehen hat. Denn ohne dies gäbe es auch keine Metafilme, die das reflektierten.

Gold, D/CAN 2013, 101’
Regie und Buch: Thomas Arslan
Kamera: Patrick Orth
Musik: Dylan Carlson
Darsteller: Nina Hoss, Lars Rudolph, Uwe Bohm
Verleih: Piffl
Kinostart: 15.08.2013

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