Godzilla

Von Michael Rademacher

la_ca_0505_godzillaDer 12-jährige in mir war etwas enttäuscht. Vielleicht lässt sich so mein Eindruck der jüngsten amerikanischen Umsetzung des japanischen Monsterfilm-Klassikers auf den Punkt bringen.
Dabei gibt es einige Punkte, die auch im Nachhinein noch für den Film sprechen. Überraschend gut war vor allem der (abgesehen vom ziemlich hektischen Intro) sehr dezente Einsatz von 3D. Ausnahmsweise fliegen dem Zuschauer mal keine Glas-Splitter oder ähnlich unangenehme 3D-Effekte ins Auge, was bei der Menge an zerstörten Fensterscheiben durchaus zu erwarten wäre. Die Actionszenen sind ungewöhnlich langsam geschnitten und somit auch für Zuschauer, die 3D-Filmen eher aus dem Weg gehen, angenehm verträglich.

Zudem ist der Sound absolut bombastisch. Die Monster geben wundervoll dröhnende Basslaute von sich, die gut als Argument dafür herhalten können, sich den Film auf jeden Fall im Kino anzusehen anstatt auf dem Laptop im Bett. Schön ist ebenfalls, dass sich Godzilla relativ nah an den japanischen Originalen der 60er-Jahre orientiert, was Roland Emmerichs 1998er Interpretation komplett über Bord geworfen hatte. So hat Godzilla seinen bekannten Schrei zurück (in modernerer Form, aber dennoch unverwechselbar) und spuckt auch wieder blaues Feuer. Auch das Design des Echsen-Monsters scheint sich wieder mehr auf die Ursprünge zu berufen. Leider bekommt man dieses nur leider viel zu selten zu Gesicht.

Der Film verschwendet viel Zeit damit, eine relativ belanglose, in Hollywood-Katastrophenfilmen übliche Familiengeschichte, zu erzählen. Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass, 2010) spielt ohne jegliches Charisma den Bombenräumungs-Spezialisten und Familienvater Ford Brody, der von seinem Vater Joe (gespielt von Bryan Cranston) in die Monster-Geschichte verwickelt wird und fortan von Schauplatz zu Schauplatz stolpert, bis er schließlich am Ende zu Frau und Sohn zurückfindet.

13-ENTER_MOVIE-GODZILLA_4_MCTTatsächlich erweckt der Film den Eindruck, man hätte namhafte Schauspieler wie Cranston und Ken Watanabe hauptsächlich engagiert um Zuschauer in die Kinos zu locken, aber nicht genug Budget zur Verfügung gehabt, um ihnen die erwartete Hauptrolle zu geben. Ähnlich verhält es sich mit Godzilla und seinen Gegenspielern, den sogenannten „Mutos“, welche zwar oft genutzt werden um Spannung zu erzeugen, aber erst gegen Ende länger im Bild sind. Dies ist besonders frustrierend, wenn an zwei Stellen die Monster-Kämpfe erst groß angekündigt und dann einfach übersprungen werden. Das wirft die Frage auf, für wen dieser Film eigentlich gemacht worden ist. Offenbar hielten die Drehbuchschreiber es für notwendig, Brody über die Dauer des Films dreimal jeweils ein Kind retten zu lassen, um die Spannung in die Höhe zu treiben. Das Problem dabei ist nur, das mich als Zuschauer diese Kinder nicht das Geringste interessieren. Nicht einmal Brodys eigener, 5-jähriger Sohn und seine Frau erfahren irgendeine Charakterzeichnung und sitzen zudem einen Großteil des Films über Zuhause am Telefon und Fernseher. Man fragt sich also ernsthaft warum die so oft im Bild sind anstatt der über 100 Meter großen kämpfenden Monster, die dabei ganze Städte zerstören. Der Film verliert leider etwas aus den Augen wer da gerade im Kino sitzt und wer nicht.

Godzilla ist nichtsdestotrotz kein schlechter Film und es lohnt sich definitiv, auch nur wegen der Aufmachung, ins Kino zu gehen. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Monster weniger präsent sind als man erwarten könnte und diesbezüglich die Erwartungen etwas zurückschrauben – der 12-jährige Monsterfan in mir war deshalb etwas enttäuscht.

Godzilla, USA 2014, 123′
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: u.a. David S. Goyer, Max Borenstein
Kamera: Seamus McGarvey
Darsteller: Elizabeth Olsen, Aaron Taylor-Johnson, Juliette Binoche, Bryan Cranston
Verleih: Warner Bros. GmbH

One Response to “Godzilla”

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>