Gegen jeden Zweifel

Wie weit würdest Du für die Story Deines Lebens gehen?

Das ist die Kernfrage, die sich der Protagonist C. J. Nicholas (Jesse Metcalfe) stellt. Er ist Journalist und bekommt von seinem Chef nur lokale Reportagen über Hundeschulen oder Straßentests, die darauf abzielen, Instantkaffee von teurem Franchisekaffee zu unterscheiden. Dass er damit nicht zufrieden ist, wird schnell klar. Doch Geld für investigativen Journalismus ist knapp bemessen und wird nicht für vermeintliche Topstorys, wie sie C.J. hinter jeder Ecke vermutet, ausgegeben. Kurzerhand nimmt er die Sache selbst in die Hand: er wittert hinter dem Staatsanwalt Mark Hunter (Michael Douglas), der kurz vor seiner Amtseinführung als neuer Gouverneur steht, Korruption und Verfälschung von Beweisstücken um seine Verurteilungsquote von 70% zu halten bzw. zu steigern. Ella (Amber Tamblyn), Gehilfin von Hunter und zukünftige Freundin von C. J. gerät dabei zwischen die Fronten. Kurzerhand wartet C. J. auf den passenden Mord und inszeniert sich selbst als Mordverdächtiger, indem er mit Hilfe seines Freundes und einer Kamera als Beweismaterial bewaffnet die Indizien wenige Tage nach dem Mord einkauft und sich bewusst von der Polizei in Gewahrsam nehmen lässt. Sein Plan geht auf und C. J. wird vor Gericht des Mordes angeklagt. Als Hunter jedoch einen Beweis vorlegt, auf den C. J. nur gewartet hat, schickt dieser seinen Kollegen los, die Kopie des Films zu holen, der beweisen soll, dass C. J. unschuldig ist und die ganze Sache nur fingiert ist, um Hunter vorzuführen. Dumm nur, dass Hunter von dem Videoband weiß und C. J.’s Freund, Corey Finley (Joel David Moore), samt Kopie der Kopie (die natürlich vorher aus der Wohnung gestohlen wurde) auf der Autofahrt ums Leben kommt. Dadurch wird C. J. zum Tode verurteilt, fristet seine Zeit im Todestrakt und muss nun auf seine Freundin Ella hoffen, die für ihn weiter ermittelt, um seine Unschuld zu beweisen.

Der Film ist ein Remake des Film Noir „Beyond a Reasonable Doubt“ aus dem Jahr 1956 von Fritz Lang. Und wie das so oft mit Remakes ist, kommen diese selten an das Original heran. So auch hier. Regisseur Peter Hyams („Timecop“, „Das Relikt“, „End of Days“) schafft es nicht, die Spannung adäquat aufzubauen und auch zu halten. Die Story ist so simpel wie vorhersehbar: frustrierter Journalist, der die Story seines Lebens wittert; eine Freundin, die zwischen den Fronten steht; ein Bösewicht, der über Leichen geht und mit allen Mitteln versucht, seine Karriere zu retten; ein Plan der zunächst funktioniert, kurzfristig scheitert, sich aber am Ende, dank der Liebschaft doch noch auszahlt und der Bösewicht die Strafe erhält die ihm zusteht. Daher verwundert es auch nicht, dass es der Film gar nicht erst ins Kino, sondern direkt in die Videothek geschafft hat.

Dass Michael Douglas letztendlich für den Film „nur“ seinen Namen zur Verfügung gestellt hat, wird schnell klar. In den verhältnismäßig wenigen Szenen die er hat, nimmt man ihm die Rolle des Anwalts, der nur seine Karriere im Sinn hat und keine moralischen Grenzen aufweist, problemlos ab. Es ist eine solide Performance und man sieht, dass Douglas sein Handwerk versteht und jedem Charakter das „gewisse Etwas“ einhauchen kann. Doch zugleich ist diese Leistung auch weit entfernt von seiner Paraderolle beispielsweise als Gordon Gecko in Wall Street 1 & 2.

„Gegen jeden Zweifel“ ist ein Film, den man sich durchaus abends auf dem Sofa angucken kann. Allerdings sollte man, trotz Michael Douglas, nicht allzu viel oscarreifes Qualitätskino erwarten. Die Story ist vorhersehbar, die Charaktere einfach gestrickt. Einzig allein der Twist am Ende kommt wie aus dem Nichts und lässt den Zuschauer aus seiner eventuell eingesetzten Starre aufmerksam werden. Doch leider kommt diese Wende im Film kurz vor Schluss und somit viel zu spät.

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