Fernsehfilm im Kino: Schwestern

schwestern3Es ist völlig unverständlich, wie ein Film diesen Formats einen Verleih bekommt – besonders in Anbetracht der häufigen Enttäuschung, wenn sehenswerten Filmen dieses verwehrt bleibt. Schwestern ist durch und durch ein Film mit Fernsehfilm-Format und ein Sendetermin an einem Mittwochabend wäre absolut angebracht. Aber dennoch, ab 12.12. ist der dritte Langfilm von Regisseurin Anne Wild in den deutschen Kinos zu sehen.

Zum Inhalt des Films: Das jüngste Mitglied einer, man könnte sagen, weltlichen Familie beschließt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einem Orden beizutreten. Diese Entscheidung trifft bei den älteren Geschwistern und der Mutter auf wenig Verständnis und sorgt für allerhand Gesprächsstoff. Als Bald-Novizin Kathi überraschenderweise noch ein wenig Zeit braucht, um den Schritt in ihr neues Leben zu wagen, verzögert sich das zeremonielle Aufnahmeritual um einige Stunden. Die übrigen Mitglieder der Familie sehen sich also mit der Situation konfrontiert, sich die Zeit notgedrungen zu vertreiben.

Es wird zunächst gediegen über das Leben und die verschiedenen Lebensformen der einzelnen Charaktere sinniert, das Ganze inmitten einer idyllischen Wiesenlandschaft. Das Thema Religion kann im Kontext der Story nicht ausgespart werden und im Zusammenhang hiermit kommt es zum Austausch über Vorstellungen von Freiheit und einem selbstbestimmten Leben. Schwestern ist durch seine einfachen, durchschnittlichen Charaktere geprägt, die nicht mehr als egozentrische Blicke auf das Leben werfen können. Über die Probleme ihrer Verwandten scheint sich die angehende Novizin völlig hinweg zu setzen, allerdings steht ihr Charakter auch eher im Hintergrund, ist lediglich der Auslöser für die innere Unruhe der anderen und die daraus folgenden Gespräche.

Die Rollenverteilung ist dabei leider auch klischeehaft abgedeckt: der idealistische Schriftsteller, der seine Familie nicht ernähren kann; die im Ausland lebende Künstlerin, die sich weder auf eine Branche, noch auf einen Mann festlegen kann; der Onkel in der Midlife-Crisis und die schroffe Mutter, die wenig Einfühlungsvermögen gegenüber ihren Kindern hat. Die Gespräche machen den Hauptbestandteil des Films aus und bleiben dennoch so oberflächlich und plakativ, bis auf einen einzigen Punkt. Annähernd interessant wird es nämlich dann, wenn es darum geht, sich auf eine einzige Lebensform festzulegen, wie es ja die Jüngste der Familie gerade im Begriff ist zu tun. Alle anderen Figuren scheinen mit einer ewigen “Alles ist möglich-Mentalität” leben zu wollen, die sie aber scheinbar alle nicht glücklich macht. Vielleicht deshalb, da sie alle so wirken, als würden sie sich ungern mit ihren Ängsten konfrontieren und sich lieber in einer vermeintlichen Endlosschleife von scheinbar unendlich vielen möglichen Lebensereignissen bewegen. Auf diese Weise lässt sich zumindest gut überspielen, dass das Leben nicht endlos ist.
In diesem Zusammenhang ist die Bemerkung der Regisseurin Anna Wild aufzugreifen, der Film kreise um die Frage, ob die ewige Freiheit eine Beschränkung sei oder ob sich nicht in der Beschränkung ein viel intensiveres Freiheitsgefühl ergibt. Das klingt nach einem interessanten Ansatz, der im Film leider nicht angemessen bearbeitet wurde.
Zwischen Fremdschämen und Kopfschütteln findet der Film dann natürlich sein versöhnliches Ende, in dem auch das göttliche Wunder nicht fehlt und selbst die Ungläubigen zu Gott sprechen lässt. Herrlich!

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Im Großen und Ganzen wirft der Film Perspektiven auf verschiedene Lebensformen und -einstellungen. Da diese Thematik leider sehr platt und mit einer kitschigen Inszenierung bearbeitet wird, kann diese Kritik nicht viel mehr als eine Inhaltsangabe mit ein paar Randnotizen sein.

Was nimmt man mit? Definitiv nicht viel, aber vor allem die Verwunderung, dass ein Film diesen Formats einen Bundesstart bekommt.

Schwestern, Deutschland 2013, 84′
Regie: Anne Wild
Drehbuch: Anne Wild
Kamera: Ali Olay Gözkaya
Schnitt: Dagmar Lichius
Darsteller: Maria Schrader, Jesper Christensen, Anna Blomeier
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 12.12.2013

2 Responses to “Fernsehfilm im Kino: Schwestern”

  1. Thomas Himmel

    Das angesprochene Ü50 Publikum hat schon ein paar Dutzend identische Filme im Kopf. Nichts ist neu, nichts kreativ, alles war schon da. Klar dass der Gang ins Kloster vor allem als witziges Stilmittel herhalten muss. Deutscher Sponti Humor. Natürlich sind Nonnen herzlos und weltfremd und verweigern den Zugang zu der Novizin. Regeln sind ja per se der pure Faschismus im linksliberalen Deutschland. Charaktere die nerven, wie das als Biene verkleidete Mädchen, oder der spätpubertierende dämliche Ex-Freund, rauben dem dünnen Stoff noch die letzte Chance eine atmosphärische Wärme aufzubauen. Umgangssprachlich vorgetragene Kleinbürgerweisheiten gehören ins Vorabendfernsehen, nicht ins Kino. Ohne Maria Schrader wäre der Streifen der mega-Flop schlechthin. Man fragt sich warum sie so eine Rolle nötig hat. Der Auftritt der Kühe war mein Signal das Kino zu verlassen.

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