Ex Machina

Von Lewis Edwien Möller
ava2Mit Chappie (Neill Blomkamp) und Terminator: Genisys (Alan Taylor) sind dieses Jahr schon zwei Filme erschienen, die künstliche Intelligenzen behandeln. In diese Liste reiht sich auch Ex Machina ein, das Regiedebüt des bis dahin nur als Drehbuch- und Romanautor bekannten Alex Garland.

Caleb (Domhnall Gleeson), Programmierer für die weltweit größte Suchmaschine Bluebook, gewinnt ein firmeninternes Gewinnspiel. Eine Woche darf er mit seinem in kompletter Zurückgezogenheit lebenden Chef Nathan (Oscar Isaac) in dessen Berganwesen verbringen. Nathan stellt sich schnell als kruder Kumpel-Typ heraus, der nicht viel von dem üblichen „Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Scheiß“ hält und auf unbefangene Gespräche besteht.

Nathans extreme Persönlichkeit spiegelt sich in seinen täglichen Routinen wieder: Tagsüber treibt er exzesssiv Kraftsport, nachts trinkt er bis zur Besinnungslosigkeit. Caleb merkt schon bald, dass er trotz des flachen Hierarchiegefüges nicht nur zum Vergnügen hier ist. Er soll an einer KI den Turing-Test durchführen. Gemeint ist ein Test an dessen Ende Caleb entscheiden soll, wie menschlich sich sein künstliches Gegenüber darstellt. So lernt Caleb die schöne Roboterfrau Ava (Alicia Vikander) kennen.

An einer Glaswand unterhalten sich Caleb und Ava einmal täglich per Gegensprechenanlage und es entsteht ein KI-Mensch-Flirt zwischen dem schüchternen Programmierer und der weltfremden Androidin, die Zeit ihrer Existenz in einem isolierten Raum ihr Dasein fristet. Beide stehen via Kameras unter ständiger Beobachtung des Hausherren Nathan, der alle Zügel des durch und durch technisierten Hauses in den Händen hält. Es stellt sich schnell heraus, dass in dem modernen Berganwesen irgendetwas nicht zu stimmen scheint: Das Glas der Gegensprechanlage hat einen Sprung, der verdächtig nach manueller Gewalteinwirkung aussieht und ständig kommt es zu Stromausfällen, bei denen sich jede Tür des Anwesens verriegelt. Hinzu kommen die ständigen kryptischen Warnungen von Ava. Mit diesen Zutaten kreiert Garland ein spannendes Sci-Fi-Psycho-Kammerspiel zwischen den drei Charakteren.
natan und caleb
Ex Machina ist ein Film über Beziehungen, der vieles über Bilder anstatt mit Worten löst. So ist Caleb praktisch das Bindestück zwischen Ava und Nathan: Caleb unterhält sich mit Ava und Nathan, man hört jedoch nie, über was die KI und ihr Erbauer sprechen. Trotzdem ahnt man schnell, dass beide etwas mit dem jeweils anderen vorhaben. Während Caleb versucht herauszufinden, was in dem Haus vor sich geht und von Ava bezirzt wird, kann Nathan in dem Haus in Ruhe alles überwachen und steuern.

Nathans unterkühlte Beziehunge zu Ava kommt auch dann immer deutlich zum Vorschein, wenn Caleb nach der Bauweise und Programmierung fragt:

„Hast du sie darauf programmiert mit mir zu flirten?“
„Ich habe sie darauf programmiert heterosexuell zu sein, so wie du darauf programmiert wurdest heterosexuell zu sein.“

Auch wie Nathan ihr das Deuten von Gestik und Mimik beigebracht hat und wie und warum er ihr funktionierende Geschlechtsorgane installierte, spielt hier mit rein. Ebenfalls fällt auf, dass Nathan mit Ava und ihren Vorgängermodellen nur weibliche KIs baute. Bis zum Schluss kommt jedoch nicht heraus, wie er zu seinen Kreationen steht.

Zu der düsteren Bildsprache tragen außerdem die vielen Kameras in den Anwesen bei. So sehen die Charaktere oft Übertragungen aus anderen Räumen, jedoch ohne hörbaren Ton. Auch wenn Caleb mit sich alleine in einem Raum ist, lässt er seine Aktionen unkommentiert. Der Film vermittelt seine Inhalte primär auf visueller Ebene, anstatt zu vieles auszusprechen. Der Zuschauer muss selbst hinter die Charaktere und ihre Gedanken steigen.

So wird man durch die Kombination aus Bildern und Dialogen effektiv auf die Folter gespannt und wartet gespannt auf das Finale, die große Auflösung, in der es knallen muss; der Moment, an dem die drei Charaktere, die auf engen Raum miteinander Leben, ihre Absichten offenlegen.

Ex Machina, GB 2015, 108’
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Rob Hardy
Bühnenbildnerin: Michelle Day
Maskenbildnerin: Sian Grigg
Darsteller: Domhnall Gleeson, Alicia Vikander, Oscar Isaac
Verlieh: Universal Pictures Germany
Kinostart: 23.04.2015 (alle Bildrechte bei Verleih und Produktion)

One Response to “Ex Machina”

  1. franziska-t

    EX MACHINA gelingt, woran TRANSCENDANCE kläglich scheiterte: eine spannende Geschichte über künstliche Intelligenz zu erzählen, die das Für und Wider abwägt. Hier wird eine Vielzahl an Interaktionen und Verhältnissen thematisiert: Wie reagieren Menschen auf andere Menschen, auf Natur oder Maschinen? Und wie reagiert die Maschine auf Menschen, Natur und andere Maschinen? Gibt es überhaupt noch Unterschiede im Verhalten? Assoziationen zu Frankensteins Monster und Prometheus tauchen ganz automatisch unterschwellig auf.

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