Erfahrungsbericht: Wenn Bollywood nach Berlin kommt…

Freitag Mittag, am Tickercounter der Berlinale. Uns war bewusst, dass wir vermutlich keine “Wunschkarten” mehr für den angebrochenen, sowie den Folgetag bekommen würden und nahmen daher alles an, wofür es noch freie Plätze gab. In meinem Fall war das unter anderem “Don – The King Is Back” mit Shah Rukh Khan, dem Bollywoodstar schlechthin. Da ich bisher noch nicht das Vergnügen hatte, ein Film aus diesem Genre zu sehen und man ja Allerlei über jene Filme hört, war ich gespannt, was mich wohl erwarten würde. Immerhin war der Film als “Berlinale Special Gala” ausgeschrieben, was unter anderem bedeutet, dass auch die Crew anwesend sein wird. Der Ankündigungstext sprach von einem mit James Bond vergleichbaren Actionhelden – “ein Journal des Luxus und der Moden”. Nichts ahnend machten wir uns also auf den Weg zum Friedrichstadtpalast und wurde bereits von mehreren hundert wartenden Fans überrascht – einige davon sogar in traditionell indischer Kleidung. Überall um uns herum hörte man spekulierende Stimmen: ob Shah Ruhk Khan es wohl doch noch nach Berlin geschafft hat? Wenige Stunden zuvor sah es nämlich ganz und gar nicht danach aus. Doch dann gingen endlich die Türen auf und die soeben noch friedliche Stimmung schlug schlagartig in Rangeleien, Gedränge und Gedrücke um. Jeder wollte der oder die Erste sein, um noch einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Koste es was es wolle. Dabei möchte ich noch nebenbei bemerken, dass es sich bei dem Publikum nicht unbedingt um pubertierende Teenager handelte, was man angesichts des Vergaltens eventuell erwartet hätte. Als wir dann also reingeschoben wurden und wieder Luft zum atmen hatten, versammelten sich bereits die Menschentrauben vor den jeweiligen Parketteingängen, die selbstverständlich noch weitere 15 Minuten verschlossen blieben. Man hat ja auch noch nicht genug gewartet…

Nachdem sich dann aber auch das Gedränge erledigt hatte, befanden wir uns endlich auf unseren Plätzen. Letzte Reihe…herrlich. Wir hatten einen optimalen Blick auf die überdimensionale Leinwand und das gesamte Publikum. Nach einer halben Stunde Verspätung ging dann aber auch schon das Licht aus und der Film begann. Es ertönte gerade der erste Ton, man sah einen Nanopartikel von Khans Körper und das Kino ist geriet außer Rand und Band. Gut, nun könnte man meinen, dass das verständlich sei bei eingefleischten Fans und einer Deutschlandpremiere. Dass sich die Jubelschreie und Beifälle aber in dem gesamten Film und bei jeder noch so kleinen Tat von Khan wiederholen sollte, davon waren wir doch äußerst…überrascht.

Das ist auch der Grund, weshalb ich gar nicht näher auf den Film eingehen möchte. Sicherlich war er technisch einwandfrei und man merkte, dass Bollywood damit sehr erfolgreich ist, mit dem was es tut.. Jedoch gab es für mich einfach zu viele Schwachstellen in dem Film. Nicht nur, dass direkt bei der ersten Sichtung diverse Filmfehler auffielen, nein, auch die Sprache war sehr gewöhnungsbedürftig. Denn es handelte sich nicht um gesprochenes Hindu mit englischen Untertiteln, sondern in den Dialogen (und teilweise selbst innerhalb eines Satzes) wechselten die Darsteller zwischen den Sprachen. Der Sinn hat sich mir allerdings bis jetzt noch nicht erschlossen…

Das Publikum hat dazu sein Weiteres getan, da man durch die Jubelschreie und Lobhymnen auf Shah Ruhk Khan irgendwie nicht so recht in den Film finden wollte.

Nichts desto trotz, auch wenn mein Interesse für das Filmgenre durch den Film nicht geweckt wurde, so war es dennoch ein Erlebnis und wahrhaftig ein “Berlinale Special”, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel. Denn richtig getobt hat das Publikum erst recht, als die Crew samt Shah Ruhk Khan und Priyanka Chopra auf die Bühne kamen…

Don – The King is Back, Indien 2011, 140′
Regie: Farhan Akhtar
Darsteller: Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Boman Irani

(keine weiteren Vorstellungen auf der Berlinale mehr)

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>