El Clan

Portraitierungen von Schwerverbrechern sind nicht nur in künstlerisch abgewandelter Form seit jeher Inspiration für das Kino. Filme wie Bonnie und Clyde (1967) von Arthur Penn oder gegenwärtig Black Mass (2015) über den amerikansichen Gangster Whitey Bulger sind lediglich einzelne Beispiele unter vielen, dessen Handlungen an reale kriminelle Personen angelegt sind. Mit dem Film El Clan kommt nun die Geschichte eines argentinischen Schwerverbrechers ins Kino, die eng mit politischen Umbrüchen verknüpft ist und in seiner Gesamtheit von Regisseur Pablo Trapero aufgearbeitet wird, was ihm den Silbernen Bären auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2015 eingebracht hat.
A338C001_141217_R6MU.[1511234-1Wir befinden uns in dem Jahr 1985 und die argentinische Militärdiktatur wurde von der Demokratie abgelöst. Die Ideologie der vergangenen Zeit ist jedoch noch fest in den Köpfen verankert und so führt Arquímedes Puccio, der während der Diktatur eine ranghohe politische Position bekleidete, das grausame System nun im Verborgenen fort. Mit der Unterstützung seiner Familie entführt er Menschen, um von den Angehörigen Geld zu erpressen. Der Film charakterisiert die reale Person des Arquímedes als mächtigen Tyrannen, der ständig Druck auf seine Familie ausübt und sie dadurch zwingt, sich an der Kriminalität zu beteiligen. Zentrale Person in diesem Gefüge ist sein Sohn Alex, der als semi-professioneller Rugbyspieler die gesellschaftliche Stellung der Familie wahrt, jedoch vom Vater unter Druck gesetzt wird, die reichen Familien seiner Mannschaftskameraden zu erpressen. Überleben tun die entführten Personen dabei in den seltensten Fällen und so zeigt der Film vielmehr die Perversion der Peinigungen, die die Opfer während ihrer Gefangennahme in dem Wohnhaus der Familie Puccio erleiden müssen.
Primär versucht El Clan nicht, die aktive oder passive Teilnahme der Familienmitglieder an den grauenhaften Taten des Vaters im Sinne einer Schuldfrage zu klären, sondern demonstriert vielmehr wie Arquímedes Puccio seine Familie in die Abhängigkeit zwängt, um sie so zu Mittätern zu machen. Die machtbehaftete Position, die der Vater in der Familie einnimmt, manifestiert sich vor allem in der Bildkomposition des Films. In einer Szene, in der Arquímedes seine Hände auf die Schultern des Sohnes legt und gleichzeitig in einer höheren Position filmisch eingefangen wird, tritt die Rolle des Vaters als unterdrückender Tyrann besonders hervor, da die Verbindung zwischen Vater und Sohn visualisiert wird, aus der sich Alex trotz vieler Versuche nicht lösen kann.elclanNeben der Rolle des Vaters ist auch die Verbindung von Alltag und Perversion der grauenhaften Taten als Thematik ein Teil der filmischen Inszenierung. So in einer Plansequenz, in der wir Arquímedes aus der Küche durch das Wohnzimmer, wo seine Familie idyllisch fernsieht, bis in das obere Stockwerk folgen, in dem eines seiner Opfer an eine Heizung gekettet auf den Tot wartet.
Regisseur Pablo Trapero stellt die menschenverachtenden Taten als Normalität für die Familie dar und demonstriert so dem Zuschauer, wie die Verbrechen überhaupt stattfinden konnten. Sinnbild für diese Symbiose ist der Einsatz einer Parallelmontage, in der das lustvolle Stöhnen von Alex und seiner Freundin mit dem angstvollen Röcheln eines Opfers verschmelzen. Diese Ästhetisierung wirkt jedoch nicht als wolle lediglich die Narration spannend gestaltet werden, sondern trägt insgesamt dazu bei, die Perversionen des Puccio-Clans ungeschönt darzustellen.

El Clan, ARG/ESP 2015, 110′
Regie: Pablo Trapero
Drehbuch: Julian Loyola, Esteban Student
Kamera: Julián Apezteguia
Darsteller: Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich
Verleih und Bildrechte: Prokino
Starttermin: 3.3.2016

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