Einer nach dem anderen

2010 hat Stellan Skarsgård auf dem Braunschweiger Filmfest den Darstellerpreis “Die Europa” bekommen. Stellan Skarsgård…Wer ist das? Ach klar! Das ist der Schwede, der schon in so vielen Filmen mitgewirkt hat, dass es zu lange dauern würde sie zu aufzuzählen. Ich habe ihn schon so oft gesehen. In „der Medicus“, „Thor und „Nymphomaniac“ spielt er zum Beispiel mit. Trotzdem hatte ich nie einen Namen zum Gesicht parat. In seinem neusten Film darf er nun die Hauptfigur spielen und mal richtig böse austeilen. Und weil er das so unterhaltsam macht, werde ich seinen Namen nun nicht mehr vergessen. In „Einer nach dem anderen“ spielt er den schweigsamen und gleichmütigen Familienvater Nils Dickman, der gerade erst zum „Einwohner des Jahres“ gekürt wurde. Doch als sein Sohn von der ansässigen Drogenmafia getötet wird, merkt der allseits beliebte Schneepflugfahrer, wie praktisch so ein tonnenschweres Schneefräse-Monstrum für einen Rachefeldzug sein kann…497936.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx

Der Name des Films ist Programm. Nach dem „10 kleine Jägermeister“ Prinzip, wird der Schnee vom Blut seiner Opfer rot gefärbt. Und das sieht verdammt gut aus. Rohe Gewalt war noch nie so ästhetisch. Das kühle Vorgehen von Nils wird nur von der Frostigkeit seiner Umgebung übertroffen. Nicht nur durch die brutal zuschlagenden Fäuste von Protagonist Nils, ergießt sich die pure Gewalt überwältigend über die Zuschauer, auch die rauen, schneebedeckten Berge, die nahezu ungebändigte Naturgewalt, raubt einem die Sinne. Diese weite und einsame Gegend wurde so bildgewaltig in Szene gesetzt, dass sie jeden sofort in ihren unheimlichen Bann zieht. Norwegens Natur: so schön und einmalig, aber gleichzeitig so mächtig und unbarmherzig. Gerade dort in der Provinz, wo die Welt noch In Ordnung scheint, wo Menschen sich in ihren hölzernen Prachthäusern gemütlich vor dem Kamin einen Drink genehmigen, wo die Skihütten von Familien ausgebucht sind, wo Hundebesitzer den Kot ihrer Tiere einsammeln, da wo die Gefängnisse Hotelzimmern gleichen, da wo keiner das Böse erwartet, genau dort findet das große Sterben statt.aufm03_zoom

Der Humor ist nicht nur gräulich, er ist tiefschwarz. Im Stil von Quentin Tarantino liegt die Schärfe besonders in den feinsinnigen doch gleichzeitig auch irgendwie sinnlosen Dialogen. Auch ein paar politische Witze über kulturelle Unterschiede, ließ sich Regisseur Hans Petter Moland nicht nehmen. „Einer nach dem anderen“ erinnert mit seiner typisch nordischen Note sehr an die Serie Lilyhammer. Der Humor zeichnet sich zudem durch einfallsreiche Running Gags aus. Jedes Mal zum Beispiel, wenn es eine neue Leiche gibt, wird eine Sterbetafel eingeblendet. An den Kreuzen über den Namen ist zu erkennen, welcher Religionszugehörigkeit das Opfer angehört hat. Auch das die Gangster sich immer irgendwelche markanten Spitznamen geben („Wingman“, „Graf“ etc.), wird in dem Film köstlich aufs Korn genommen. Sehr viel Herz hat der Regisseur in die Ausarbeitung der Figuren gelegt. Besonders Gangsterboss „Graf“ (Pål Sverre Valheim Hagen) ist einfach herrlich makaber inszeniert. Ein blonder langhaariger Veganer, egoistisch und emotional instabil. Ein Pechvogel, der nicht sehr clever ist aber dafür umso unberechenbarer. Schön ist auch Bruno Ganz als serbischen Drogenboss. Folglich trauert und lacht man gleichermaßen, wenn sie alle nach und nach ins Gras… in den Schnee beißen müssen.491432

Bilder:

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Originaltitel: Kraftidioten
Norwegen 2014
Kinostart: 20. November 2014
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Ausführender Produzent: Finn Gjerdrum, Stein B. Kvae
Verleih: Neue Visionen
Besetzung: Stellan Skarsgård, Kristofer Hivju, Pål Sverre Valheim Hagen
Genre: Komödie, Drama , Krimi

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