Ein deutsches Leben

Brunhilde Pomsel war nie an Politik interessiert, schließlich war das zu ihrer Zeit nur etwas für Männer. Trotzdem fand sie sich 1942 über Umwege als Sekretärin von Joseph Goebbels wieder und endete diese berufliche Laufbahn in den Armen der roten Armee aus dem Führerbunker laufend mit anschließender mehrjähriger Kriegsgefangenschaft. Nun erzählt sie in Ein deutsches Leben mit 103 Jahren von ihrem Leben. Glück hätte sie gehabt, immer wieder glimpflich aus Allem herausgekommen zu sein. Frei Schnauze erzählt sie nun vom Ausbruch des ersten Weltkriegs, ihrer Zeit beim Rundfunk und ihren zufälligen Eintritt in die NSDAP – in Begleitung ihrer jüdischen Freundin Eva, die aber lieber draußen wartete. Es folgen Anekdoten über Goebbels privater Person, seines Hundes und ihrem perplexen Eindruck von seiner Sportpalastrede, die sie beruflich besuchen musste.

Die Dokumentation versteht es mit einfachen Bildern – schließlich sieht man Brunhilde lediglich in einem leeren Raum redend – und Zwischenschnitten von zeitgenössischen Propagandafilmen der Briten und Amerikanern oder Amateuraufnahmen, eine persönliche und eindrückliche Lebensgeschichte zu erzählen. Dabei ähnelt dies zur Freude der Zuschauer eher einem Gespräch zwischen Oma und Enkel (mit den üblichen problematischen Passagen und Meinungen) als einem moralisierenden Zusammenschnitt einzelner Interviewsequenzen. Ein wichtiges menschliches Zeitzeugenportrait, wohl eines der letzten Biographien persönlich erzählt von den Überlebenden des NS-Regimes.

Ein deutsches Leben, Österreich 2016, 107′
Regie: Christian Krönes, Olaf S. Müller
Buch: Christian Krönes, Olaf S. Müller
Kamera: Frank van Vught
Darsteller: Brunhilde Pomsel
Starttermin: 06.04.2017

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