Don Jon (ohne Sucht)

Don_Jon_plakatAls das Regiedebüt von Joseph Gordon-Levitt zu Beginn des Jahres bei der Berlinale präsentiert wurde, hieß der Film noch Don Jon’s Addiction. Mittlerweile hat man sich aber von dem Negativattribut der Sucht im Titel verabschiedet und das Ganze auf ein knackiges, aber irgendwie uninteressanteres Don Jon gekürzt. Das verschiebt zunächst den gesamten Fokus des Films, denn plötzlich steht nicht mehr die Sucht der Hauptfigur im Vordergrund sondern die Hauptfigur selbst. Das deutsche Filmplakat setzt noch einen drauf und erweckt durch die Rahmung mit zwei Frauen den Eindruck einer Rom-Com inklusive Dreiecksbeziehung. Dazu die gewollt clevere, aber auch romantisierte Tagline „Nimm dein Glück selbst in die Hand“. Pornosucht getarnt unter dem Vorwand der Romantik. Oder ist tatsächlich die Pornosucht nur ein Vorwand, dem sich der Film gar nicht ausgiebig widmet?

Hinter dem Spitznamen Don Jon verbirgt sich eigentlich Jon Martello, ein Italoamerikaner, der in New Jersey lebt. Es gibt einige Dinge, die ihm wichtig sind und im Verlauf des Films wie ein Mantra wiederholt werden: “My body. My pad. My ride. My family. My church. My boys. My girls. My porn.” Letzteres hat dabei einen extrem wichtigen Stellenwert für Jon, denn obwohl er jede Nacht eine andere Frau mit nach Hause nimmt, bevorzugt er Pornos gegenüber echtem Sex. Dann verliebt er sich in Barbara Sugarman, die ihre ganz eigenen Vorstellungen von einer Beziehung hat. Sex gibt es erst nach einem Monat, Jon soll abends College Kurse belegen und sich mit ihr im Kino völlig realitätsfremde Liebesschnulzen ansehen. Denn so wie er sich in die Fantasiewelt der Pornographie flüchtet, verdrängt sie die Realität mit Hilfe zuckersüßer Liebesgeschichten inklusive Happy End. Eigentlich ein ähnlicher Mechanismus. Aber als Barbara herausfindet, wofür ihr Freund seinen Laptop benutzt, macht sie Schluss mit ihm.

don-jon2Man merkt schnell, dass sich Gordon-Levitt bei der Figurenzeichnung austoben wollte und überzogene Karikaturen geschaffen hat. So verkörpert er seinen Charakter deutlich aufgepumpt, mit zu viel Gel in den Haaren und generell straight outta Jersey Shore. Ein echter D-Bag, der alle denkbaren Klischees erfüllt, ist auch sein Vater. Beim gemeinsamen Familienessen sitzt man dann gerne mal im Partnerlook bestehend aus Unterhemd und Goldkettchen um den Tisch. Aber auch auf formaler Ebene wird mit Reiz-Überflutungen gespielt, indem unzählige Porno-Clips extrem schnell aneinander geschnitten wurden, sodass nicht viel Explizites zu sehen ist, die Schnipsel aber ein durchaus eindeutiges Bild formen. Es entsteht ein regelrechter Wahn, der charakteristisch mit dem Wegwerfen eines zerknüllten Taschentuchs endet. Verbunden mit dem Hochfahren des Laptops, dem Suchen der Videos und dem Klicken des Play-Buttons entsteht daraus ein Schlüsselelement, das immer wieder auf das Ausleben der Sucht und die damit verbundene Routine verweist. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto weniger geht es aber um eine Ergründung der Pornosucht, stattdessen verschiebt sich der Fokus auf die Auswirkungen. Das Verbannen der Sucht aus dem Filmtitel ist somit nicht nur Vermarktungsstrategie, sondern auch ein Hinweis auf das Problem des Films. Er spricht ein schwieriges Thema an, verweigert sich aber gleichzeitig einer tieferen Auseinandersetzung. Die Pornosucht ist Bestandteil einer ganzen Aufzählung bedeutender Dinge – aber auch nicht mehr. Trotzdem ist Don Jon ein gelungener Debütfilm, der erstaunlich selbstbewusst wirkt, Spaß macht und sich zumindest um ehrliche Momente bemüht. Und das ist wahrscheinlich alles, was von einer Pornosucht-Liebes-Komödie erwartet werden kann.

Don Jon, USA 2013, 90‘
Regie & Drehbuch: Joseph Gordon-Levitt
Produzenten: Ram Bergman, Nicholas Chartier
Kamera: Thomas Kloss
Schnitt: Lauren Zuckerman
Musik: Nathan Johnson
Besetzung: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore, Tony Danza, Brie Larson
Verleih: Ascot Elite/Paramount
Kinostart: 14.11.2013

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