Dogs

„How big is my land?“ – „As far as one can see.“ Roman (Dragoş Bucur) ist überwältigt von dem Land, welches ihm sein Großvater hinterlassen hat, obwohl er als Städter nur wenig damit anfangen kann. Er romantisiert das ländliche Leben lediglich als Ausgleich zum hektischen Alltag in der Stadt, in das er sich an den Wochenenden zurückziehen möchte. Die Weite des Landes benötigt er dafür nicht, weshalb er das Erbe am liebsten so schnell wie möglich zu Geld machen möchte.
Schnell gerät er mit diesem Vorhaben in einen Konflikt mit einer Gruppe Gesetzeslosen, deren Interesse die Aufrechterhaltung bestehender Strukturen ist. Nicht einmal der verantwortliche Sheriff kann in dem Grenzgebiet Rumäniens zwischen den Parteien vermitteln, weshalb ihm nur der Rat für Roman bleibt, den Ort so schnell wie möglich zu verlassen…In seinem Spielfilmdebut Dogs etabliert Regisseur und Drehbuchautor Bogdan Mirică Motive des klassischen Western, die er auf unkonventionelle Weise verbindet, um so gleichermaßen mit dem Genre sowie den Erwartungen des Zuschauers zu spielen. Dabei gelingt es ihm inhaltlich, den Plot so sehr zu verdichten, dass der Film in den charakteristischen Grenzen des Genres bleibt, ohne dass der Zuschauer den Ausgang der Handlung vorausahnen könnte.
Demzufolge ließe sich der Beginn des Films als klassische Town Tamer Story deuten, in der ein wortkarger Fremder in eine von Verbrechern regierte Gesellschaft eintaucht, um dort im Kampf Gut gegen Böse für Recht und Ordnung zu sorgen und die Bürger von Kriminalität befreit. Die Handlung verläuft jedoch in eine andere Richtung und es kristallisiert sich heraus, dass Roman nicht der heroische Einzelgänger ist, auf den alle gewartet haben, sondern er sich vielmehr als verweichter Städter entpuppt, der mit dem rauen Leben auf dem Land nicht zurechtkommt. Mit einem Zwinkern blickt Bogdan Mirică auf den US-amerikanischen Mythos, was sich vor allem an den Gewaltszenen verdeutlichen lässt. Dienten eine Schlägerei im Saloon oder die Demonstration der Künste eines Revolverhelden im klassischen Western zur Erhöhung des Schauwertes, werden jene Szenen in Dogs bewusst exszeniert. So ist eine Schlägerei innerhalb der Verbrecherbande für den Zuschauer nur auditiv aus dem Off wahrnehmbar und ein Leichnam ist Zeuge eines zentralen Mordes, mit dem der Zuschauer von einer Einstellung zur Anderen überrascht wird. Untermauert wird die Nähe zum klassischen Western ebenso auf stilistischer Ebene, was einerseits durch den Gebrauch von extremen Totalen hervorgerufen wird, die die Weite des Landes zeigen und andererseits in der Inszenierung des abschließenden Showdowns mittels amerikanischer Einstellung deutlich wird.
Pferd(e), Revolver und der Kampf Gut gegen Böse – nur auf den Steppenläufer wartet man vergebens…

31. Filmfest Braunschweig, Sektion: Neo Western
Dogs (orig. Câini), RO/FR/BG/QA 2016, 104′
Regie & Buch: Bogdan Mirică
Kamera: Andrei Butică
Schnitt: Roxana Szel
Darsteller: Dragoş Bucur, Gheorghe Visu, Vlad Ivanov
Verleih: Bac Films International

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