Dogs don’t wear pants

Dogs don’t wear pants zeigt neben seiner nihilistisch lebensverneinenden Hoffnungslosigkeit des jetzigen Jahrhunderts nach Lyotards großen Erzählungen wie alte Bedeutungsmuster immer noch die Repräsentation von als Deviant gedachten Sexualpraktiken wie BDSM prägen. So ist zwar Nietzsches Gott, das aufklärerische Subjekt und auch der Fortschrittsglaube tot, aber nicht die Klischees, die wir uns als Sicherheitsdispositive geben.

Wieso muss beispielsweise BDSM in einem dunklen Keller eines schäbigen Tattoostudios stattfinden? Ist die Praxis doch über unzählige filmische Verarbeitungen im Spiel- wie auch im Dokumentarfilm und über eine Vielzahl an Diskursen, Einrichtungen und Praktizierenden nicht mehr das Schmuddelthema, über das sich nur ein Marquis de Sade zu sprechen traut. Vielmehr könnte man den Nihilismus des Films nutzen, um zu verstehen, dass auch Sexualität immer mehr einer positiven Neutralität unterworfen wird, in der verschiedenste Formen nebeneinander existieren können. Stattdessen wird BDSM als Praxis des prekären Milieus gezeichnet, das sich mit Schmutz, Heimlichkeit, Abgelegenheit und Dunkelheit vermengt.

Nicht verwunderlich sind dann auch die gezeigten negativen Auswirkungen der Praxis. Juha (Pekka Strang) gerät in eine Art Sucht und kann nicht mehr ohne seine Domina Mona (Krista Kosonen) auskommen. Er unterwirft sein gesamtes Leben dieser Person bishin zum Wahnsinn. Auf der Arbeit muss er sich einem Test unterwerfen, der seine geistige Gesundheit prüfen soll. Und auch Termine mit seiner Tochter lässt er sausen, um Mona nochmal sehen zu können. Als Stalker ist es nur konsequent, dass er ihr auch bei jeder Gelegenheit nachstellt. Dem Sexualitätsdispositiv typisch wird Sexualität hier als umfassende Persönlichkeit gerahmt, sodass die Integrität der eigenen Person mit dem vermeintlichen Absinken in deviante Sexualitäten zerbricht. BDSM als schlechte Praxis formt also schlechte Charaktere. Selbst sein Körper baut ab, sodass seine sexuellen Abenteuer mit dem Abfaulen seines Fingernagels begleitet wird. So muss sich auch nicht mehr die Frage gestellt werden, wieso ihm eine Domina plötzlich ein Zahn ziehen möchte. Schließlich ist BDSM ja nur Negativität, die scheinbar bis zur Selbstaufgabe ausartet.

Nach mehreren Jahrzehnten filmischer Auseinandersetzung mit Sexualitäten hat man das Gefühl, dass man wieder in einer Moral der fünfziger Jahre gefangen it, in der alles von der Norm Abweichende als Höllenpfad verteufelt wird. Nur die Bilder haben sich geändert. Wurden expliziter.

Finnland 2019, 105 min, Farbe
Sprache: Englisch
Regie: J-P Valkeapää
Buch: J-P Valkeapää, Juhana Lumme
Kamera: Pietari Peltola
Schnitt: Mervi Junkkonen
Mit: Pekka Strang, Krista Kosonen, Ilona Huhta
Verleih & Bildrechte: Drop-Out Cinema

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