Die zwei Gesichter des Januars

Die Amerikaner Chester MacFarland (Viggo Mortensen) und dessen Frau Colette (Kirsten Dunst) machen Urlaub in Athen, als sie den Stadtführer Rydal (Oscar Isaac) treffen. Sie kommen ins Gespräch und verabreden sich zum Abendessen. Im Hotel beobachtet Rydal jedoch wie Chester eine Leiche verschwinden lässt. Statt sie zu verpfeifen, hilft Rydal dem Ehepaar und verstrickt sich so zunehmend in das Leben der beiden. Zudem hat er ein Auge auf die schöne Colette geworfen. Doch bald wird unklar, wer wem vertrauen kann. Lügen, Intrigen und Eifersucht machen die Dreiecksbeziehung zu einem Spiel um Leben und Tod. *DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS Schöne Bilder von beeindruckenden Ruinen, traumhaften Stränden und malerischen antiken Städten, bei denen man sich sofort nach Urlaub sehnt. Da kann man sich aber auch ein Reisemagazin anschauen. Sonst bietet der Film nur eine altbekannte Geschichte. Zwei Rivalen buhlen um eine Frau, zwei Rivalen spielen sich gegenseitig aus, um an Geld zu kommen, zwei Rivalen kämpfen um Leben und Tod. Gut, das ist immer ganz nett, das verliert nie seinen Charme, das ist aber eben auch nichts Besonderes. Was stört, ist aber nicht unbedingt die wenig innovative Thematik, sondern die dritte Person in der Dreiecksbeziehung: Die Frau. Colette ist naiv und oberflächlich. Sie ist die Unschuldige, die eben einfach ein bisschen leichtgläubig ist. Sie genießt den Reichtum und die Freiheit, die der Job ihres Mannes den beiden ermöglicht und ihr ist es entweder egal, wie er sein Geld verdient, oder sie verdrängt es. Ihr Leben besteht daraus, doof zu kichern, freundlich und süß zu lächeln und ihre Schönheit durch die Welt zu tragen. Wir erfahren nichts über ihren Charakter. Sie ist einfach nur da und ihre Rolle ist darauf beschränkt, die Männer nur durch ihre Anwesenheit zu beeinflussen. Nicht aber absichtlich, sondern auf ihre naive und belanglose Weise. Das Unglück, das auf sie zukommt, sieht sie nicht kommen und dann ist sie sich auch keiner Mitschuld bewusst und mimt weiter das „ach so arme“ Opfer. Dass sie ihren neuen Begleiter gar nicht kennt, hält sie nicht davon ab, ihm sofort zu vertrauen und mit ihm vor ihrem Mann zu flirten. Weiß sie wirklich nicht, dass Chester schnell eifersüchtig wird, obwohl er seit Längerem ihr Ehemann ist? Daraus hätte man durchaus etwas machen können. Eine Femme Fatale, die nur unschuldig tut, aber selbst intrigiert zum Beispiel. Doch die Chance wurde vertan. Ihre Rolle im Film ist nur, die beiden Männer gegeneinander aufzubringen. Zwei_Gesichter_des_Januar_2014_movie_13Passt zum antiken Filmschauplatz in Griechenland. Sie ist wie die schöne Helena, durchgebrannt mit dem hübschen jungen Trojaner Paris und der eifersüchtige Ehemann muss dann einen Krieg führen, um sie zurück zu holen. So ist das mit den Frauen, eigentlich keine Handlungsträger, aber ihre Dummheit führt mal wieder zum Untergang. Falls es das Ziel war, den weiblichen Hauptcharakter möglichst unsympathisch rüber zu bringen, es hat geklappt! Ich weine keine Träne hinterher, als Colette ihrem Schicksaal nicht entkommen kann. Wirklich schade für Kirsten Dunst. Figuren sollen Fehler begehen, damit sie interessant bleiben, sie sollen ambivalent sein und bitte nicht perfekt. Aber leider sind Frauenfiguren dann gerne gleich mal total inkompetent, nervig naiv, untätig und nicht mehr als schönes Beiwerk. Man muss kein Feminist sein, um davon genervt zu sein. Die beiden Männerfiguren dagegen sind interessant, undurchsichtig, clever. Sie führen ein Katz-und-Maus-Spiel, beide sind Gut und Böse zugleich. An ihnen liegt es, wie die Geschichte enden soll. Ja, es sind Antihelden oder eigentlich fast schon die Bösewichte in der Geschichte. Aber es ist nun auch nichts Neues, dass auch ein Fiesling Publikumsliebling werden kann. Lieber ein Arschloch als ein Langweiler. Letzteres ist Colette, die sich weder in das Spiel um Macht integriert, noch ihren Charme für sich zu nutzen weiß, sondern einfach nur ein Objekt der Begierde ist. Ihr Charakter wahllos austauschbar. Dagegen haben wir mit Rydal den charmanten Trickbetrüger, der gerade so über die Runden kommt und eine Chance auf das große Geld und die große Liebe wittert und Chester, der Gentleman mit Wutausbrüchen, der in viel größerer Manier betrügt, der alles hatte und nun alles verliert und dem jedes Mittel recht ist, nicht ins Gefängnis zu müssen. Daraus entwickelt sich zumindest gegen Ende eine recht spannende Jagd nach Hitchcock-Manier. Das Geld für den Kinobesuch wäre in einer Reise-Spardose für den nächsten Urlaub in Griechenland trotzdem besser aufgehoben.w964

 

 

*Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith. Da ich das Buch nicht kenne, beziehe ich mich ausschließlich auf den Film.

USA, Großbritannien , Frankreich, 2014
Kinostart Deutschland:   29. Mai 2014
Regie und Drehbuch:       Hossein Amini
Basierend auf:   Patricia Highsmith
Produktion: StudioCanal, Working Title Films
Ausführende Produzenten: Caroline Hewitt, Tim Bricknell etc.
Verleih: StudioCanal Deutschland
Kamera: Marcel Zyskind
Besetzung: Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac
Genre: Thriller

 

 

 

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