Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte

Nachdem die Romanvorlage (in der es noch Ikea-Schrank heißt) ein weltweiter Erfolg, sowohl bei Kindern als auch Eltern wurde, entschied sich das produzierende Studio dafür Marjane Satrapi (Persepolis) die Regie anzuvertrauen und bekannte Gesichter wie Uma Thurman (Pulp Fiction) in den Cast aufzunehmen. Letztendlich wurde nach der ersten Version des Scripts Satrapi durch Ken Scott (Starbuck) ersetzt und der Cast gewechselt. Das ein Regiewechsel oft schiefgehen kann, wurde schon oft bewiesen wie beispielsweise in Suicide Squad und ich war gespannt ob sich dadurch eine ähnliches Szenenchaos bildet.

Lehnen Sie sich zurück und entspannen sich, jetzt gibt es einen 90-Minuten Feelgood-Film für die Familie“, war die Ansage des des Mitarbeiters des Filmverleihs. Und so kam es dann auch. Zwar gibt es auch traurige oder sogar actionreiche Szenen, doch dabei bleibt alles im versprochenen Feelgood-Rahmen. Doch erstmal zur Story.

Der Film beginnt mit einer Stimme aus dem Off, die erklärt dass die Welt ungerecht sei, da jeder mit den Karten spielen muss die er bei der Geburt zugeteilt bekommt. Die Stimme gehört dem jungen indischen Lehrer Aja (Dhanush), der drei Kleinkriminellen Jungen durch seine Lebensgeschichte auf den richtigen Weg bringen möchte.Die Geschichte beginnt in der Kindheit Ajas der mit seiner Mutter in einem Slum in Mumbai lebt und davon träumt seinen Vater zu treffen, doch seine Mutter weigert sich ihm etwas über seinen Vater zu erzählen. Als er bei einem Arztbesuch ein Ikea-Katalog (im Film nur als schwedischen Möbelhaus beschrieben) findet und dadurch das erste Mal mit moderner westlicher Wohnkultur in Berührung kommt, träumt er davon selber Möbel zu entwerfen und damit sein Viertel zu verschönern. Doch da er mit den ihm zugeteilten Karten spielen muss, wird er „Fakir“ und betrügt auf den Straßen Mumbais mit Zaubertricks und Illusionen Touristen um sich und seine Mutter zu versorgen. Als er zum jungen Erwachsenen herangewachsen ist stirbt seine Mutter und verrät ihm das Geheimnis, dass Ajas Vater in Paris lebt. Praktisch mittellos fliegt Aja mit der Asche seiner Mutter nach Paris und besucht natürlich als erstes eine Ikea-Filliale um sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen. Dort verliebt er sich in die Mitarbeiterin Maria (Erin Moriarty) mit der er sich am nächsten Tag unter dem Eifelturm verabredet. Doch als Aja in einem der ausgestellten Schränke übernachtet, wird dieser in einem LKW geladen und nach England transportiert. Da sich in dem LKW Flüchtlinge befinden und Aja kein Visum hat, wird er als illegaler Einwanderer betrachtet und seine Papiere werden vernichtet und er wird von Land zu Land geschoben. Ajas Ziel ist nun Paris, wo er nicht nur hofft seinen Vater zu finden, sondern auch Maria auf ihn wartet.

Der Film schafft es auf beeindruckende und kindgerechte Weise zu zeigen wie schlimm das Schicksal ist entmenschlicht und seiner Identität beraubt zu werden und wie hart dieses Los für andere real existierende Menschen ist. Aja der eigentlich genug eigene Probleme hat versucht dennoch immer seinen Mitmenschen die das selbe Schicksal teilen, aber auch Menschen denen es vermeintlich gut geht, zu helfen und wird dafür immer wieder belohnt. Die Reise zeigt, dass in jeder Kultur und Sprache Nettigkeit und Hilfsbereitschaft positive Werte sind auf die andere Menschen positiv reagieren.

Im Nachhinein hatte der Verleih-Mitarbeiter Recht behalten und ich konnte mich zurücklehnen und einen Familienfilm sehen, der nicht nur die Gütigkeit und Dankbarkeit sondern auch in eine kindgerechten Rahmen die Boshaftigkeit der Menschen zeigt. Gleichzeitig zeigt die farbenfrohe und bunte Bildgestaltung die an Le fabuleux destin d’Amélie Poulain oder an The Grand Budapest Hotel erinnert, dass es überall auf der Welt egal ob in einem indischen Slum, in einem Ikea, einem britischen Polizeirevier oder in einem nordafrikanischen Flüchtlingslager, Schönheit zu finden gibt.

Auch wenn das Motiv des selbstlosen Samariter, der allen Menschen hilft und dabei selber weniger für sich hat schon eine oft und viel erzählte Geschichte ist, so schafft es Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte das Thema in einem aktuellen und neuem Rahmen zu präsentieren der durch seine Doppeladressierung nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene erfreuen kann und aufzeigt, dass wir uns genau in unserer jetzigen Zeit an die alten Werte der Nächstenliebe erinnern sollten. Und egal wie gut oder schlecht die einem zugeteilten Karten sind, man kann sie immer teilen.

The Extraordinary Journey of the Fakir, Frankreich, 2018, 96 Min.

Regie: Ken Scott

Buch: Luc Bossi, Jon Goldmann

Schauspieler*innen: Dhanush, Erin Moriarty, Barkhad Abdi

Verleih & Bildrechte: Square One

Kinostart: 29.11.2018

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