Die Oscarverleihung 2015

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Laut Medienberichten* nahm seit Bekanntgabe der Filmnominierungen für den Oscar, die Filmpiraterie für eben diese Filme enorm zu. Kaum verwunderlich, denn die Oscarverleihung ist wesentlich spannender, wenn man die Filme auch kennt, um die es da geht. Denn wer den großartigen Gewinnerfilm Birdman noch nicht gesehen hat, dürfte sich wohl gewundert haben, warum Moderator Neil Patrick Harris mitten in der Show nur mit einer Unterhose bekleidet die Bühne betreten hat. Denn was für den nichtwissenden sehr albern ausgesehen haben muss, war eigentlich eine wunderbare Parodie auf den Film gewesen und einer der wenigen guten Momente des Abends. Leider kommen viele der nominierten Filme erst spät ins deutsche Kino. American Sniper, dem großen Verlierer des Abends, wurden vorher gute Chancen zugestanden. Schade nur, dass der Film erst in ein paar Tagen im Kino zu sehen sein wird. So konnte auf legale Weise nur der Amerikaner sich ärgern oder freuen, als Clint Eastwoods umstrittenes Kriegshelden-Epos leer ausging. Es wäre doch schön, wenn alle die legale Möglichkeit hätten die Filme auch vorher sehen zu können. Aber man hat sowieso das Gefühl, dass die Amerikaner mit ihrer Oscarverleihung  nur sich selbst feiern wollen. Man müsste mal zählen wie oft das Wort „America“ in den Dankesreden vorkam. Mindestens so oft wie „I thank the Academy“. Die Show war leider überwiegend langweilig. Würde nicht alle 5 Minuten nervige Werbung eingespielt werden, man würde gar nicht merken, dass ein neuer Programmpunkt angefangen hat. Sicherlich haben die vielen gesungenen Balladen für die anwesenden Gäste viel stärker gewirkt als bei uns nachts vor dem Fernseher. Waren die Stars vor Ort zu Tränen gerührt, rührten wir schon nur noch verzweifelt in unserem Kaffee, um wach zu bleiben. Über Neil Patrick Harris als Moderator möchte ich mich gar nicht negativ auslassen. Er ist eben ein Mann, der viel mit Wörtern spielt und für die Pointen waren meine Englischkenntnisse einfach zu schlecht. Besonders enttäuschte mich an diesem Abend aber Lady Gaga. Die Frau, die bisher besonders durch ihre skurrilen Kostüme auffiel und mit ihrem „Kleid“ auf dem roten Teppich dem gängigen Schönheitsideal etwas entgegenzusetzen hatte, ähnelte  dann auf der Bühne leider sehr einer Klischee-Disneyprinzessin. Mit Ausschnitten aus dem Hollywood-Musical “The Sound of Music”, sorgte sie im Publikum zwar für Standing Ovations, doch mir wäre der Mut zu einer verrückteren Neuinterpretation lieber gewesen als dieser sanfte Kitsch. Kurz gesagt: Zu viel Lady, zu wenig Gaga. Nur der Auftakt des Abends war ein Showfeuerwerk, wie man es bei so einer wichtigen Preisverleihung erwartet. Mit einer gesungenen Hommage an das Bewegtbild, wurde man sehr passend auf die Welt der reichen Filmschaffenden Hollywoods eingestimmt. Mein Nerd-Herz schlug auch sogleich höher, dank den tanzenden Stormtrooper (Star Wars). Danach blieb es aber auch direkt kurz stehen, denn das Bild war weg. Pro 7 zeigte, dass sich Deutschland nicht nur beim Eurovision Song Contest blamieren kann. Während ich noch darüber nachdachte, welcher arme Mitarbeitet jetzt seinen Job los war, verpassten wir Zuschauer die Bekanntgabe des besten männlichen Nebendarstellers. (J.K. Simmons für seine Rolle in Whiplash). Dann war das Bild wieder da und es folgte erst einmal Werbung. Aushalten wollte man das ganze Theater trotzend bis zum Ende. Denn dieses Jahr waren die Kategorien beste Hauptdarsteller und bester Film sehr spannend. Hollywood zeigte sich von seiner politisch korrekten Seite. Anstelle von Schönheit der Jugend, wurde die erfahrene Julianne Moore für ihre Darbietung in den Film Still Alice gewürdigt, in dem sie ganz ungeschminkt auftritt. Eine doch feministische Botschaft. Die Academy musste zuletzt viel Kritik einstecken, da keine schwarzen Darsteller oder Regisseure nominiert wurden. Dafür haben schwarze Stars wie Lupita Nyong’o, Eddie Murphy und Oprah Winfrey die Namen der Gewinner vorgelesen. Leider fiel daher noch mehr auf, dass die Gewinner dann fast alle weiß waren. Dabei stritten sich ironischerweise gerade die Filme um die höchste Auszeichnung, deren Protagonisten eine Behinderung haben (The Theory of Everything), homosexuell (The Imitation Game), oder Ikonen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung (Selma) sind. Dementsprechend politisch fielen auch bei diesen Filmen die Dankesreden aus. So gab es auch einige bewegende Momente. Graham Moore, der für das beste adaptierte Drehbuch von The Imitation Game einen Oscar erhielt, erzählte mit Tränen in den Augen von einem versuchten Selbstmord. Er fühlte sich damals ausgestoßen durch seine Andersartigkeit. Mit seinem Film über den außergewöhnlichen Alan Turing, wollte er auch seine Botschaft verbreiten: Stay weird, stay different.” Mit Birdman wurde dann ein Film ausgezeichnet, der eigentlich Hollywood kritisiert. Als hätte die Academy, nachdem sie verprügelt wurde, ihrem Peiniger noch Blumen schenkt. Daher eine wirklich interessante Wahl. Eine genauere Bewertung der Gewinnerfilme folgt in den nächsten Tagen. Aber es kann verraten werden, einige lohnen sich wirklich.

 

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Alle Preisträger im Überblick:

 

  • Bester Film: “Birdman”
  • Beste Regie: Alejandro G. Inárritu für “Birdman”
  • Bester Hauptdarsteller: Eddie Redmayne für “Die Entdeckung der Unendlichkeit”
  • Beste Hauptdarstellerin: Julianne Moore für “Still Alice”
  • Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons für “Whiplash”
  • Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette für “Boyhood”
  • Bester nicht-englischsprachiger Film: „Ida“ (Polen, Regie: Pawel Pawlikowski)
  • Beste Kamera: „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“
  • Bestes Original-Drehbuch: „Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“
  • Bestes adaptiertes Drehbuch: „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“
    • Bester Schnitt: „Whiplash“
    • Filmmusik: Alexandre Desplat („Grand Budapest Hotel“)
    • Bester Filmsong: „Glory“ („Selma“)
    • Bestes Produktionsdesign: „Grand Budapest Hotel“
    • Bester Tonschnitt: „American Sniper“

 

  • Beste Tonmischung: „Whiplash“
  • Beste Spezialeffekte: „Interstellar“

 

  • Bester  Animationsfilm: „Baymax – Riesiges Robowabohu“
  • Bester Animations-Kurzfilm: „Feast“
  • Bester Dokumentarfilm: „Citizenfour“
  • Bester Dokumentar-Kurzfilm: „Crisis Hotline: Veterans Press 1“
  • Bestes Make-up/ Beste Frisur: „Grand Budapest Hotel“
  • Bestes Kostümdesign: „Grand Budapest Hotel“
  • Bester Kurzfilm: „The Phone Call“

verwendete Bilder:

http://oscaracademyawards.com/wp-content/uploads/2015/02/Academy-Awards-Oscar-Awards-87th-Nominations-for-Best-Cinematography1.jpg

http://www.moviepilot.de/files/images/articles/37460/oscar_2015_bester_film_size_1000.jpg

 

* http://www.moviepilot.de/news/oscar-verleihung-sorgt-fur-mehr-online-piraterie-144960

One Response to “Die Oscarverleihung 2015”

  1. franziska-t

    Naja, sind die Oscars nicht immer langweilig? Es passiert einfach nichts Unvorhergesehenes. Ich hab in meiner kleinen Streitschrift (https://filmkompass.wordpress.com/2015/02/20/warum-die-oscars-mehr-pepp-vertragen/) darauf hingewiesen. Die Oscars sind halt leider nicht die Golden Globes. Da ist alles ein großer Roast: jeder bekommt mal einen blöden Spruch um die Ohren und am Ende feiern alle in friedlicher Eintracht. Bei den Oscars muss halt alles perfekt sein. Da ist jeder Fehltritt sofort einen Shitstorm wert.

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