Die Kinder der Toten

Eine, auf den ersten Blick trashige Irrfahrt durch die Steiermark.
Der Film basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage von der österreichischen, Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und wurde von den beiden Theaterleuten Kelly Copper und Pavol Liska vom New Yorker Performance-Kellektiv Nature Theater of Oklahoma umgesetzt.
Der Film ist auf Super 8 Material gefilmt, ein Stummfilm mit Blasmusik, Zwischentiteln, Laiendarsteller*innen, zahlreichen Trash-Elementen, Splattereffekten, künstlichen Perücken und jede Menge Make-Up.
Kelly Copper und Pavel Liska haben die Buchvorlage bis heute nicht gelesen, was sie aber nicht daran gehindert hat diese Super 8 Groteske auf die Leinwand zu bringen. Ihr Zugang zu Jelineks Roman bestand daher überwiegend auf der Basis von Beschreibungen der Lektüre anderer Personen. So entstand, durch Ulrich Seidl produziert, eine Abrechnung mit österreichischer Geschichtsvergessenheit und nationalen Mythen.
Der Film entstand als ein Performanceprojekt anlässlich des Steirischen Herbstes bei welchem das gesamte Festivalpublikum eingeladen war bei den Dreharbeiten mitzuwirken.

Der Film verschweigt nicht seine Wurzeln und Inspirationen. In einer Zwischentafel heißt es „Styrian Carnival oft he Dead“. „Carnival of Souls“ ist eine große Inspirationsquelle für Jelineks gewesen und dies ist dem Film auch anzusehen. Schauplätze und Motive kehren wieder. Der Trashflair weist auf die begrenzten Mittel der Hollywood B-Movies hin. Ein österreichischer Roman, inspiriert durch einen amerikanischen Horror-Trash-Film, verfilmt von zwei amerikanischen Theaterleuten. Eben ein etwas anderer Heimatfilm.
Die Kinder der Toten ist ein Hybrid zwischen Theater, Film und Literatur.

Karin stirbt bei einem Autounfall und kehrt als Untote Doppelgängerin zurück. In einem alten Kino welches von einer Nazi-Witwe betrieben wird, versammeln sich die Leute um den Verstorbenen auf der Leinwand nachzuweinen um kurze Zeit später von den stets verdrängten Toten (mit Hakenkreuz und Davidstern) überrannt zu werden. Ein suizidaler Förster wird von seinen verstorbenen Söhnen heimgesucht und eine syrische Dichterfamilie streift durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung. Gekrönt wird das Ganze von einem apokalyptischen Gaudi-Finale mit Palatschinken im Gesicht, Schnitzel und Blasmusik.

Gerade in der heutigen Zeit wirkt diese überzeichnete Trash-Orgie besonders thematisch aktuell und das auf einem Filmmaterial welches längst aus der Mode ist.

Regie: Kelly Copper, Pavol Liska

Österreich, 2019

90 min

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