Deutschboden

Deutschlands Prototyp des “Superprolls” will Moritz von Uslar finden und begibt sich dafür mehrere Wochen in die brandenburgische Provinz. Aus seinen “teilnehmenden Beobachtungen” ist ein Buch entstanden, auf dem auch Deutschboden basiert. Warum diese Verfilmung nötig war, ist nicht ganz klar.

deutschboden-7_article

Von Uslar, seines Zeichens Redakteur der “Zeit”, beschließt in einem Berliner Szenelokal beim Essen mit Freunden den Hinterwäldlern im Umland einen Besuch abzustatten und etwas Völkerkunde zu betreiben. Stimmt es wirklich, dass die Bewohner Brandenburgs hauptsächlich Alkoholiker, Rechtsextreme und Sozialhilfeempfänger sind? So lautet die Legende. Im Film sehen wir den Autor persönlich, wie er breitbeinig die Straßen seines Versuchsobjekts im Dunkeln abschreitet, während er wiederum persönlich, im Off Passagen aus seinem eigenen Buch vorliest. Von Uslar ist locker gekleidet, trägt eine Jeans, ein Polohemd und eine rote Harrington-Jacke, bei der man sich fragt, ob sie im hippen Berlin schon wieder angesagt ist oder eine wenig subtile Annäherung an ostzonale Klischees darstellen soll.

 

Was es zu sehen gibt, sind vor allem nachgestellte Szenen aus dem Buch, die gespielt werden und die von Uslar mit vorgetragenen Monologen und Gedanken unterbricht. Den Beschreibungen der Häßlichkeit und Einfachheit der Orte und teilweise auch der Menschen, die als Text durchaus Unterhaltungswert haben, werden Aufnahmen wunderschöner Landschaft entgegen gesetzt. Das soll vermutlich Widersprüchlichkeit suggerieren. Deutschboden hat aber durchaus seine Momente, etwa wenn der kahlköpfige Hühne zum Zupfen der Augenbrauen geht oder sich im Gespräch herausstellt, dass ob ihrer rechtsextremen Vergangenheit eine ganze Familie von der Bundeswehr ausgeschlossen wird. Das muss man erstmal schaffen.

deutschboden-5_article

Die Stärke des Film liegt aber ganz klar auf der Textebene und zwar aus den vorgelesenen Zitaten. Davon kann sich das Bild nie ganz lösen, was gerade gegen Ende etwas einfallslos erscheint. Zudem versucht von Uslar zeitweise seine Distanz zum Gegenstand der Untersuchung zu brechen, beschreibt seine Interviewpartner als “gute Menschen” und seinen Aufenthalt als “beste Zeit seines Lebens”. Das wirkt albern. Mögen seine Beobachtungen empirisch richtig und unterhaltsam geschrieben sein, sind doch alle Witze und Klischees über “die hinterwäldlerischen Ossis” bereits gemacht. Und so sagt Deutschboden vielleicht mehr über Großstadtjournalisten wie von Uslar aus, als über edle, aber wilde Abgehängte, die nie gelernt haben oder nie lernen mussten, ihre Ressentiments in rot-grün-schwarzes-Zeit-Feuilleton-Vokabular zu pressen.

 

Originaltitel: Deutschboden
Deutschland 2013, 96′
Kinostart Deutschland: 27. März 2014
Regie und Drehbuch: André Schäfer
Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Moritz von Uslar
Verleih: W-Film
Kamera: Andy Lehmann
Produktionsfirma: Florianfilm GmbH

 

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>