Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Allan Karlsson ist zwar schon 100 Jahre alt, aber er fühlt sich noch viel zu lebendig, um alleine im öden Altersheim zu verrotten. Also steigt er einfach aus dem Fenster und verschwindet ohne Ziel und ohne Geld ins Ungewisse. Was folgt ist ein total verrückter Road Trip, bei dem der alte Mann von einem glücklichen (bzw. für manch anderen eher unglücklichen) Zufall in den nächsten stolpert. In diesem Film gibt es keine gewöhnlichen Charaktere: Alle sind irgendwie etwas seltsam und überdreht, aber dabei auch sehr sympathisch mit ihren markanten und skurrilen Angewohnheiten. Ich habe das Buch, auf dem die Geschichte basiert, nie gelesen, ich könnte mir aber vorstellen, dass die Nebencharaktere dort noch mehr Wirkung zeigen als im Film. Benny der Student, der alles Mögliche in seinem Leben anfängt, aber nichts zu Ende bringt, die naturliebende Gunilla, stolze Besitzerin eines Elefanten mit einem etwas nachteiligen Männergeschmack. Da war Potenzial, wo der Film aber leider aufgrund seiner Kürze keinen Spielraum mehr bieten konnte.043080.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx Die Komödie lebt daher besonders von Allan, herrlich gespielt von Robert Gustafsson. Eigentlich ist er kein Held und auch kein Weltverbesserer, ganz im Gegenteil, er liebt es, Dinge in die Luft zu sprengen und ist so unglaublich naiv, dass es eigentlich erstaunlich ist, wie weit er doch immer kommt. Er hat ein so unverschämtes Glück: obwohl er immer wieder in brenzlige Situationen gerät, muss er selbst gar nichts machen, um heile wieder heraus zu kommen. Um ihn herum kann alles einstürzen und er merkt es nicht einmal. Er lebt in seiner kleinen einfachen Welt und schert sich nicht darum, wie er das große Ganze um ihn herum verändert. In Rückblenden wird zwischenzeitlich immer wieder von seinem bunten und aufregenden Leben erzählt. Da arbeitet er mal als Spion (aber ist sich dessen nicht einmal richtig bewusst) oder erkennt einfach mal nebenbei den letzten wichtigen Schritt zur Fertigstellung der Atombombe. Ohne dabei Ahnung von der Technik zu haben, geschweige denn von den Folgen für das Weltgeschehen.161133.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx Er macht selbst keine witzigen Sprüche, er ist nicht stark, nicht mutig, ohne Talent (ausgenommen für Sprengstoff) und Bildung aber mit einem riesigen Schutzengel (der es gerne makaber mag) und trotzdem liebt man diesen alten Kauz. Eben weil er eigentlich den ganzen Film über nichts macht, aber doch gleichzeitig alles und alle um ihn herum verändert. Genauso ist auch die Story absurd aber liebenswürdig. Da wird die Weltgeschichte einfach ein bisschen umgeschrieben: Eine Fantasiegeschichte, aber mit ausschließlich realen Bezügen. Das macht Spaß, gerade auch weil der Humor dabei so hinterlistig bösartig ist. Auch wenn Körper gesprengt und Personen zerquetscht werden, der ganze Film nimmt sich da überhaupt nicht ernst. Da ist keine Moral vorhanden oder irgendetwas, was man aus dem Film lernen könnte. Die Späße sind nie albern, sondert einfallsreich und immer ganz leicht politisch inkorrekt. Sehr erfrischend: Auf allzu derbe Witze unter der Gürtellinie wird hier verzichtet. Stattdessen gut durchdachte, ineinander überlaufende „Zufälle“, Kettenreaktionen, die zu gekonnten Pointen führen. Die Bösen werden bestraft und die Guten können nur gewinnen. So einfach ist das. Der Film will eben nur Spaß machen und nicht tiefgründig sein. Alt sein ist hier keineswegs langweilig.21061111_20131126161424647.jpg-r_640_600-b_1_D6D6D6-f_jpg-q_x-xxyxx

 

Originaltitel: Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann
Schweden 2014
Kinostart Deutschland: 20. März 2014
Regie und Drehbuch: Felix Herngren
Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller Roman von Jonas Jonasson
Produktion: Mikael Varhelyi
Ausführende Produzenten: Malte Forssell, Felix Herngren, Henrik Jansson-Schweizer
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH
Kamera: Göran Hallberg
Besetzung: Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, David Wiberg
Genre: Komödie, Drama, Abenteuer

 

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