Der Butler

Der Butler ist angelehnt an die wahre Geschichte des Afroamerikaners Eugene Allen, der 34 Jahre lang unter acht Präsidenten (von Eisenhower bis Ronald Reagan) Angestellter im Weißen Haus war. Er arbeitete sich vom Sklaven auf einer Baumwollplantage bis zum Chefbutler ins Weiße Haus hoch. Seine Geschichte wurde von dem Reporter der “Washington Post” Will Haygood entdeckt, als dieser anlässlich zur Wahl Barack Obamas als erster schwarzer Präsident der USA recherchierte.forest-whitaker-the-butler Der Regisseur Lee Daniels (Precious), von Allens Leben inspiriert, hat nun versucht, sowohl über 80 Jahre schwarze Bürgerrechtsbewegung, als auch großes Familiendrama in einen zweieinhalbstündigen Film zu quetschen. Die daher nur angerissenen historischen Ereignisse, wie zum Beispiel das Ende der Rassentrennung an staatlichen Schulen, die Ermordung Martin Luther Kings oder die Black-Panther-Bewegung, werden im Film aus der Sicht der an Allen angelehnten Figur Cecil Gaines (verkörpert von Oscar-Preisträger Forest Whitaker) und seines Sohnes Louis (David Oyelowo) gezeigt. Während Gaines zunächst unterwürfig akzeptiert hat, den Weißen zu dienen und statt sich zu wehren geduldig alle Hoffnung in die Politik setzt, ist Sohn Louis der Rebell, der durch aktive Gegenwehr gar sein Leben für seine Rechte auf Gleichberechtigung aufs Spiel setzt. Denn erst 1964 wurde die Rassentrennung per Gesetz aufgehoben. Ein Vater-Sohn-Konflikt, der sich durch den ganzen Film zieht. Mitreißend sind besonders die Erlebnisse des Sohnes mit dem aggressiven amerikanischen Rassismus. Besonders erschreckend ist beispielsweise eine Szene, in der Ku-Klux-Klan-Anhänger die jugendlichen “Freedom Riders”-Aktivisten in einem Bus überfallen. Kreuze brennen, Panik, Schreie, Gewalt und Angst – Szenen, wie in einem Horrorfilm, nur dass dieser Schrecken tatsächlich passiert ist. Die scheinbar selbstverständliche Ungerechtigkeit in Verbindung mit dem stumpfen Hass gegenüber der schwarzen Bevölkerung wird hier so intensiv und realitätsnah an den Zuschauer gebracht, dass es diesem die Sprache verschlägt. 03Da sich Daniels nicht entscheiden konnte, ob er die Politik oder die Familie in den Mittelpunkt stellen will, kommt beides zu kurz und der Film wirkt überladen. Dazu tragen auch die vielen kurzen und charakterlosen Auftritte von diversen durch bekannte Hollywood-Stars verkörperte Präsidenten bei. Alan Rickman (Professor Snape aus Harry Potter) als Präsident Ronald Reagan zu sehen ist zwar sehr unterhaltsam, passt aber einfach nicht in den ernsten Kontext des Films. Da bespricht dann Lyndon B. Johnson wichtige politische Entscheidungen auf der Toilette – eine Szene die unsicheres Lachen im Kinosaal auslöst, obwohl der Film sonst gar nicht lustig ist: ständige Demütigung, Diskriminierung und Gewalt – Gaines dramatische Lebensgeschichte kann (oder soll) als Beispiel für das Schicksal vieler schwarzer Bürger Amerikas gesehen werden. Der Film widmet sich einem wichtigen Thema, verliert sich aber leider in sentimentalem Familien-Blabla. Was einfühlsam und authentisch rüberkommen möchte, scheint gegenüber den bewegenden Szenen um den Kampf der unterdrückten schwarzen Bevölkerung für Gerechtigkeit bedeutungslos. Ebenfalls stören die völlig emotionslos und oberflächlich dargestellten historischen Ereignisse. Weniger wäre mehr gewesen.

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Der Butler
Originaltitel: Lee Daniels’ The Butler
USA 2013
Kinostart Deutschland: 10. Oktober 2013
Idee: Will Haygood
Regie: Lee Daniels
Produktion: Laura Ziskin Productions
Ausführender Produzent: Lee Daniels
Verleiher: Prokino Filmverleih
Besetzung: Forest Whitaker, Oprah Winfrey, Mariah Carey, John Cusack, Jane Fonda, Lenny Kravitz, Alan Rickman, Robin Williams, David Oyelowo, Liev Schreiber
Genre: Drama , Biografie

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